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"Nur: Der Esel hatte mehr Sendezeit"

26.07.2010 – "Tatort" Kursana Domizil: Fernsehteams in Weiden

 

Text: Anette Bergermann

Im Kursana Domizil Weiden brodelt es. Bereits um 6 Uhr in der Früh steht Direktorin Caroline Kett im heimischen Bad vor dem Spiegel, zupft hier, zupft da am Haar. Zieht das blaue Jackett gerade und heftet noch schnell eine Brosche ans Revers. Punkt 8 Uhr – der Salon öffnet heute besonders früh – sitzt Kursana-Bewohnerin Elke Brand auf dem Frisierstuhl. Heute will sie schön sein. Denn heute kommt das Fernsehen ins Haus.

Das Kursana Domizil Weiden ist wieder mal „Tatort“. Denn beim Bayrischen Rundfunk, beim ZDF und jetzt auch beim Redaktionsteam „Stern TV“ um Günther Jauch hat sich herumgesprochen: Auch in Weiden gibt es ein gut funktionierendes Kursana-Haus, das sich in den Medien gut präsentiert und für Fragen offen ist. Das ist bei dem sensiblen Thema „Altenpflege“ nicht selbstverständlich.

Heute soll es um das aktuell diskutierte Thema „Bürgerarbeit“ gehen. Seit zwei Jahren beschäftigt das Domizil Lubov Balles. Die gebürtige Kasachin begann 2008 hier als Pflegehilfskraft, damals noch im Rahmen des Programms „Jobperspektive Plus“. Um sie und ihre Arbeit wird es dem Fernsehteam heute gehen. Ein kurzes Interview mit der Direktorin ist  ebenfalls angesagt.

Punkt 10 Uhr steht das Team um Redakteurin Wibke Steinberg an der Rezeption. Ein Kameramann und ein Tontechniker begleiten sie. Und gleich geht’s los. Das Team begleitet Lubov Balles auf Schritt und Tritt. Filmen sie, als sie einer Bettlägerigen hilft, sich aufzurichten. Aus dem Gemeinschaftsraum auf der Station erklingt derweil „Sonne, liebe Sonne“. Der Singkreis probt. „Stopp! Schnitt! Das müssen wir neu drehen“, erschallt es von der Redakteurin. Schade, die musikalische Untermalung passt wohl nicht ins Konzept.

Da kommt ein Anruf vom ZDF. Das Thema „Bürgerarbeit“ liegt auch hier brandaktuell auf dem Redaktionstisch. „Dauert nicht lange.“ Um 11 Uhr schaut eine Redakteurin der Weidener Tageszeitung „nur mal schnell für einen kurzen Bericht“ vorbei. Dazwischen schnell das Kurzinterview mit Caroline Kett für RTL. Beim gemeinsamen Mittagessen mit dem Drehteam werden die letzten Einstellungen besprochen.

Im Domizil werden sie heute nicht mehr drehen, sondern Lubov Balles in ihre kleine Wohnung begleiten, um dort die Familie aufzunehmen. Am nächsten Tag wird die Pflegehilfskraft dann, gemeinsam mit ihrer Tochter, den Zug nach Köln besteigen, um am Abend in „Stern TV“ aufzutreten.

Als um 14 Uhr das ebenfalls dreiköpfige ZDF-Team vor der Tür steht, sind Caroline Kett, die Mitarbeiter und Bewohner schon kleine Profis, die den Dreh souverän meistern. Oder wie die Direktorin selbstbewusst schmunzelnd feststellt: „Und ewig grüßt das Murmeltier.“

Am Mittwochabend um 22.15 Uhr sitzen die Kursana Mitarbeiter und Bewohner gespannt vor dem Fernseher. „Die Frau Balles, die hat das echt toll gemacht. Nur, dass der Esel eine längere Sendezeit hatte als sie, das war nicht in Ordnung“, ist am nächsten Morgen beim Frühstück die einhellige Meinung. Das andere Bürgerprojekt, in dem sich eine Arbeitslose auf einem Gnadenhof um alte Tiere kümmert, hat ein wenig mehr Sendezeit erhalten. „Aber toll war's doch – wir im Fernsehen.“

 


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