Vergissmeinnicht-Café
21.05.2010 – Das Kursana Domizil in Herzogenaurach veranstaltet Angehörigentreffen der ganz besonderen Art
Text: Anette Bergermann
Foto: www.pixelio.de, „tokamuwi“
Eine gemütliche Runde hat sich zum nachmittäglichen Kaffeeklatsch getroffen: Um den mit frischen Blumen und Kerzen geschmückten Tisch sitzen zwölf Angehörige von Bewohnern mit vier Mitarbeitern des Kursana Domizils Herzogenaurach und genießen den selbstgebackenen Kuchen aus der Kursana-Küche. Das erste Treffen der „Vergissmeinnicht-Runde“.
Dieses Treffen, das auf den ersten Blick so entspannt wirkt, hat einen ernsten Hintergrund: Der Name „Vergissmeinnicht“ ist hier Programm. Denn es sind Angehörige von dementen Bewohnern, die im Beschützenden Bereich des Kursana Domizils leben. Für die Angehörigen, meist Töchter und Söhne, war der Entschluss, ihre dementen Eltern hierher zu geben, keineswegs einfach. „Aber“, so eine der Anwesenden, „es ging einfach nicht mehr anders.“
Die Pflege eines Demenzkranken zu Hause, meist neben Beruf und Familie, ist, je weiter die Krankheit fortschreitet, zu aufwendig. Kann ganze Tage und gar Nächte beanspruchen. Da ist eine Beschützende Station in einem Seniorenheim wie dem Kursana Domizil, auf der rund um die Uhr geschultes Fachpersonal bereit steht, irgendwann die einzig vernünftige Lösung.
Aber die Unsicherheit, die Ängste „Was wird mit meinem Vater, meiner Mutter, wenn die Krankheit fortschreitet?“, „Wie gehe ich mit ihm/ihr bei meinen Besuchen um?“ – sie bleiben.
Darum hat Bodo Steinheimer, Direktor des Kursana Domizils, das „Vergissmeinnicht-Café“ ins Leben gerufen. „Es soll den Angehörigen in einem geschützten Raum Gelegenheit geben, sich zum einen unbefangen untereinander auszutauschen. Sie sollen aber auch Gelegenheit haben, ihre Fragen, ihre Ängste mit unseren Fachkräften zu besprechen. Das allein kann schon viel von der Unsicherheit oder auch den Selbstvorwürfen nehmen.“
Mira Heit, Stationsleiterin des Beschützenden Bereichs und ihre Kollegen Alfred Götzel, Pflegefachkraft, sowie Betreuungskräfte Melanie Möhring und Milli Polanco werden von ihren Gästen an diesem Nachmittag „auch ganz schön gefordert“, wie Mira Heit anschließend zufrieden feststellt.
Nach einer anfänglichen Hemmschwelle erzählen die Besucher von kleinen Besonderheiten, die das Leben ihrer Angehörigen prägen – „ganz wichtig für unsere Biografiearbeit“ erklärt Heit. Dann wird sie nach dem detaillierten Tagesablauf in der kleinen dementen Wohngemeinschaft gefragt, nach den Beschäftigungsangeboten, die den Tag der Senioren gestalten helfen.
„Eine Demenzschulung für uns, das wär's. Unsere Hausärztin hat einfach keine Zeit, uns ausführlich über die Krankheit, über die Veränderungen, die mit Mutter jetzt passieren, zu informieren“, so eine besorgte Tochter. Steinheimer, der sich kurz dazu gesellt hat, nickt. „Das werden wir im Team besprechen.“
Gegen Ende dieses ersten „Vergissmeinnicht-Cafés“ sind sich alle Angehörigen und Kursana-Mitarbeiter einig: „So ein Treffen gibt uns allen etwas. Das müssen wir wiederholen.“ Drei bis vier Mal im Jahr, so der gemeinsame Beschluss, werden sich Betreuer und Angehörige weiter treffen.
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