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Ein Foyer voller Geigen

26.01.2012 – Hausmusik im Kursana Domizil Marzahn

 

Text: Martina Krüger

Bild: Kursana

 

Ob er mit dem „Schneewalzer“ die weiße Pracht herbei spielt? Einen Versuch ist es wert, wird sich Heinz Gernoth gedacht haben und fiedelte munter drauf los. Schnee kam nicht, aber gute die Laune sofort. Eine Bewohnerin zuckte es bei dem berühmten Walzer sofort in den Beinen und sie tanzte. Viele, der fast 50 Männer und Frauen, die im Foyer des Kursana Domizils Marzahn zur „Hausmusik“ sich versammelt hatten, schunkelten oder summten sanft mit. So eine Geige kann doch wirklich Lachen und Weinen bei den Zuhörern hervorzaubern, man kann sanft in Erinnerungen schwelgen oder sich vom Augenblick mitreißen lassen.

 

Alle 14 Tage gibt es hier seit gut einem Jahr „Hausmusik“. Mal mit einer Flötengruppe plus Geige, da geht es klassischer zu und mal holt Heinz Gernoth alles aus seiner Geige raus, was ein gutes Unterhaltungsrepertoire so hergibt.  Da ein Stück aus dem „weißen Rößl“, Filmmusiken aus der UFA-Zeit, „Berlin, wie es weint und lacht“, hieß einer der Titel. Der Geiger hat sich ein ausgeklügeltes Programm über die Jahre erarbeitet, da ist nicht jeder Titel ein Hit, viele alte Neuentdeckungen sind darunter, die auch von den Zuhörern Konzentration erfordern – und die lassen sich gern darauf ein. Zwischendurch bringt der waschechte Berliner kesse Sprüche, wie „und zum Schluss,  schuf der liebe Gott den Kuss“ – und schon hat Heinz Gernoth die Lacher und Schmunzler auf seiner Seite.  Es ist diese Mischung, die die Zuhörer in seinen Bann ziehen. Und auch Gernoth zieht selbstverständlich sein Vergnügen daraus, denn er spielt unglaublich gern. Und das seit seinem 7. Lebensjahr, am 25. Januar wird er 75. Fast 70 Jahre ist er also mit der Geige unterwegs. Immer hat er Musik gemacht, erinnert er sich. Gelernt hat er Modelltischler, aber es gab seinerzeit nicht genügend Arbeitsplätze, also sattelte er um auf Wäschereifacharbeiter. Spielte in verschiedenen Formationen in seiner Freizeit und als Rentner ist er ein umso leidenschaftlicher Musiker - in einem Akkordeonorchester, mit einen Kollegen im Duo.

 

Und dann suchte das Kursana Domizil einen Musiker fürs Sommerfest. Gernoth wartete nicht, bis man ihn anrief, er radelte sofort hin und fragte. Das Probekonzert, so erinnert er sich, geriet zum Triumph. Er spielte in allen Etagen und alle Zuhörer folgten ihm von Stockwerk zu Stockwerk bis hinunter ins Foyer. Mehr Triumph ist für einen Künstler schwer denkbar, als solche Begeisterung. Und für diese Begeisterung spielt er jeden Monat zweimal, natürlich ohne Gage. Denn diese besondere ehrenamtliche Tätigkeit ist für Künstler und Zuhörer gleichermaßen eine Freude.

 

 


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