Praxisanleiterin Anjali Dotel (25, l.) zeigt der Auszubildenden Elisabeth Schröder (20) im Domizil Billstedt, wie die Blutdruckwerte der Bewohner dokumentiert werden.

 
31.07.2025

„Ich möchte junge Leute für die Altenpflege begeistern“

Vor sieben Jahren kam Anjali Dotel (25) als Au-pair aus Nepal nach Deutschland. Mittlerweile unterstützt die ausgebildete Pflegefachfrau und angehende Praxisanleiterin im Domizil Billstedt die Auszubildenden.

Hamburg-Billstedt. Wenn Angehörige von neuen Bewohnern im Domizil Billstedt das Gespräch mit einer Fachkraft suchen, wird die junge Anjali Dotel leicht übersehen. „Auf den ersten Blick halten sie mich vielleicht für eine Praktikantin“, sagt die 25-jährige, die vor sieben Jahren aus Nepal nach Deutschland gekommen ist, lächelnd. „Aber das macht mir nichts aus, weil ich fachlich die Menschen schnell überzeugen kann.“ In ihrer neuen Heimat sei sie viel selbstbewusster und offener geworden, sagt die ausgebildete Pflegefachfrau, die beruflich ein festes Ziel vor Augen hat: Derzeit macht sie die Fortbildung zur Praxisanleiterin, um Auszubildende beim Berufsstart bestmöglich unterstützen zu können.

In Nepal hatte Anjali Dotel nach dem Abitur ein Jahr lang Pädagogik studiert und Kinder bis zur fünften Klasse unterrichtet. Mit 18 Jahren kam sie als Au-pair nach Deutschland, um eine andere Kultur kennenzulernen. „Es hat mich fasziniert, dass man hier so viele Möglichkeiten hat“, sagt sie. Ihre Gastmutter unterstützte Anjali dabei, sich anschließend für eine einjährige Ausbildung zur Pflegeassistentin in einer Senioreneinrichtung zu bewerben. Ihre Sprachkenntnisse verbesserte Anjali Dotel währenddessen eigenständig in online-Kursen, bis sie die B2-Qualifikation für die Fachkraftausbildung in der Tasche hatte. 2020 konnte sie im ersten Jahrgang der anspruchsvollen generalistischen Ausbildung zur Pflegefachfrau starten, bei der sie neben der stationären Altenpflege auch die Arbeit im Krankenhaus, in der Kinderpflege und bei einem ambulanten Dienst kennenlernte.

„Ich habe mein Herz an die Senioren verloren“, sagt Anjali Dotel, die privat in den sozialen Medien über die sinnstiftende Arbeit in der Pflege informiert. „Es macht mich glücklich, unseren Bewohnern zu helfen, ihre Geschichten zu hören und von ihren Erfahrungen zu lernen. Sie geben mir ein Gefühl von Geborgenheit, wie ich es früher bei meinen Großeltern erlebt habe.“ An der Arbeit als Praxisanleiterin weiß sie schätzen, dass sich für sie der Kreis zur Pädagogik schließt. „Ich möchte junge Leute aus meiner Generation für die Altenpflege begeistern und Brücken bauen zwischen den Generationen der Pflegenden. Unsere jungen Auszubildenden sind kreativ und bringen viele Ideen aus ihren Facheinsätzen mit. Dafür sollten wir ihnen wertschätzend begegnen.“

Beruflich und privat fühlt sich Anjali Dotel mittlerweile in Deutschland zu Hause: 2024 ist ihr auch Mann aus Nepal nach Hamburg gezogen und lernt derzeit neben seinem Job in der Gastronomie intensiv die deutsche Sprache, um hier in seinem Beruf als Ingenieur arbeiten zu können. „Ich bin dankbar für die Chance, die wir hier bekommen“, sagt Anjali Dotel. „Mein Weg war nicht leicht. Aber wenn man etwas wirklich will, kann man es auch schaffen.“

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