Erlebnisreich für alle: Kinder einer Kindertagespflege zu Besuch im Kursana Domizil Siegen.

 
02.06.2025

„Das kenne ich von meinen Jungs“

Lebendige Erinnerungen schaffen – dies wollen die Kindertagespflege KiTS und das Kursana Domizil Siegen mit einer neuen Kooperation. Dabei zeigen sie, wie kleine Kinder und Senioren vom Umgang miteinander profitieren.

Siegen. Ein zaghafter Blick, ein vorsichtiges Tapsen auf ungewohntem Terrain, doch das Eis ist schnell gebrochen. Als „Ich lieb den Frühling“ erklingt, füllt sich der Saal im Kursana Domizil mit hellen Kinderstimmen. Auch die Senioren singen und klatschen begeistert mit.

Einmal im Monat kommt eine Gruppe aus der Kindertagespflege KiTS Mosaik oder KiTS Raupennest ins Theodor-Keßler-Haus. In den KiTS-Standorten, deren Träger die gemeinnützige Alternative Lebensräume GmbH ist, werden bis zu neun Kinder unter drei Jahren in einer familiären Atmosphäre betreut. „Die Kinder freuen sich schon, wenn wir sagen, wir gehen wieder zu den Omas und Opas“, erzählt Yvonne Mankel, die fachliche Leitung von KiTS. Ein regelmäßiger Kontakt zu den eigenen Groß- und Urgroßeltern sei nicht in jeder Familie gegeben. Dies bestätigt auch die Leiterin der Sozialen Betreuung im Kursana Domizil, Anna Seidel. Gelegentlich kämen aber Kindergartenkinder ins Haus. Doch Kleinkinder, das sei für sie ein Novum.

Lernen und Lebensfreude

 „Die Türen vom Bus gehen auf und zu“, singen die Gäste und auch die Senioren wedeln mit den Armen. „Die Kinder sind in diesem Moment Vorbild“, erklärt Yvonne Mankel und ergänzt: „Bewegungslieder fördern bei beiden Altersgruppen die Motorik.“ Die Liedauswahl ist abgestimmt. Ruhige und lebhaftere Lieder sind dabei, erinnerungsreiche Klassiker, aber auch moderne Stücke. „In jedem Alter kann man Neues lernen“, sagt Anna Seidel.

Als die Kinder durch die Reihen gehen, blicken sie in strahlende Gesichter. „Pass auf, da ist das Rad vom Rollstuhl“, warnt eine Seniorin. „Ach, das kenne ich von meinen Jungs“, kommentiert eine andere eine Kabbelei. „Kleine Kinder lösen andere Emotionen aus als große“ glaubt Anna Seidel. Während es bei den Größeren um Spiele und Gespräche ginge, weckten die Jüngsten Beschützerinstinkte und Erinnerungen an eine besonders intensive Zeit des Eltern-Seins. Bei Menschen mit Demenz käme es oft zu einer spürbaren Aktivierung.

Die Senioren genießen es, den Kindern die Hand zu geben oder sogar mal eins auf den Schoß zu nehmen. Die Kinder wiederum nehmen die Freude wahr und werden immer selbstsicherer. „Viele Erwachsene assoziieren Kleinkinder mit laut sein und denken, ein Altenheim sei nichts für sie“, glaubt Yvonne Mankel. Dabei komme es nur darauf an, auf die Bedürfnisse aller einzugehen. Für gemeinsame Aktivitäten haben sie und Anna Seidel viele Ideen: Plätzchen backen zum Beispiel, oder rausgehen und Blumen pflanzen. „Wir möchten lebendige Erinnerungen schaffen“, sagen beide. Und beim nächsten Mal „Ich lieb den Frühling“ im Kanon singen.

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