12.06.2026
Das Wunder von der Wachkomastation
Das gab es noch nie! Eine Patientin verlässt selbstbestimmt und auf beiden Beinen laufend den Wachkomabereich „Schlosswiese“ vom Kursana Domizil Bad Muskau. Susann Rudoba (44) nimmt Abschied von einer einzigartigen Pflege, die den Weg in ein neues Leben ebnete.
Bad Muskau. Glücksmomente sind so selten auf der Wachkomastation. Wenn ein Patient Reflexe oder Emotionen zeigt, ein Lächeln beispielsweise, berührt das schon die Herzen. Um die Rund-um-die-Uhr-Pflege kümmern sich 13 speziell geschulte Intensivpflegefachkräfte. Das Kursana Domizil Bad Muskau hat in der außerklinischen Intensivpflege elf Plätze. Acht sind derzeit belegt. Einige Patienten liegen bereits seit Jahren auf der Wachkomastation, wie beispielsweise der junge Mann, der nach einem Verkehrsunfall ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt. Inmitten dieser so aufwendigen Pflege passierte nun ein Wunder…
Im Herbst 2024 wurde Susann Rudoba von ihrem damals 13-jährigen Sohn leblos auf dem Boden gefunden. Er reagierte geistesgegenwärtig und holte Hilfe. Kurze Zeit später erfuhr Ehemann Martin die Diagnose: geplatztes Hirnaneurysma. In der Uni-Klinik Dresden gelang den Ärzten, die Ader zu verschließen und das Blut abzusaugen. Dafür wurde die Patientin in ein künstliches Koma gelegt. Die Operation verlief erfolgreich. Susann erwachte nach wenigen Tagen. Doch während der Reha begann die Achterbahnfahrt der Gefühle: Nach ersten erfolgreichen Heilbehandlungen gab es Rückschläge. Die Sächsin musste immer wieder operiert werden. Ihr Zustand verschlechterte sich. Sie wird ein Vollpflegefall, alle Gliedmaßen sind gelähmt.
Im Frühjahr 2025 erhielt die kleine Familie das bittere Urteil: Susann ist austherapiert. Sofort stand die Frage im Raum: Wo soll sie künftig leben? In die eigene Dachgeschosswohnung konnte sie in dem Zustand nicht zurück. Glück im Unglück: Martin Rudoba erfuhr von der Wachkomastation im Kursana Domizil Bad Muskau. Interimsdirektorin Beatrix Erler spürte sofort die Notsituation, in der sich die Familie befand und setzte sich für sie ein, überwand innerhalb kürzester Zeit Hand in Hand mit der Krankenkasse bürokratische Hürden. Schließlich konnte Susann im April 2025 im Wachkomabereich aufgenommen werden. Und tatsächlich: Mit Hilfe von vielen internen und externen Fachkräften machte sie Woche für Woche Fortschritte. Täglich (!) bekam sie Besuch von ihren Liebsten. Sie fing an zu essen, zu laufen, zu sprechen…Nach rund neun Monaten konnte die ehemalige Verwaltungsfachkraft die „Schlosswiese“ verlassen und nach Hause zurückkehren. Der Abschied vom Pflegeteam war hochemotional. Ein Glücksmoment, von dem auch die Pflegekräfte noch lange zehren werden.
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