Christine Schuschke hätte nie gedacht, dass sie in ihrem Alter noch einmal eine Brieffreundin bekommen würde. Sie hat sich sofort hingesetzt, den Fragenbogen zu Person ausgefüllt und ein paar freundliche Zeilen geschrieben.

 
26.05.2026

Der Beginn einer Brieffreundschaft

Eine ganz besondere Überraschung erlebten 22 Bewohner kurz vor Ostern und die hatte nichts mit dem symbolischen Hasen zu tun.

22 Briefe von Schülerinnen und Schülern der dritten Klasse einer Grundschule aus der Nachbarschaft kamen bei ihnen an. Darin stellten sich die Kinder den Senioren vor und schrieben über ihre Pläne in den Osterferien und ihre Hobbies. Milo hatte vor, in den Ferien ins Schwimmbad zu gehen. Außerdem ist er in der Zeit verantwortlich für das Rausgehen mit dem Familienhund. „Was machen Sie so?“, wollte er von seinem neuen Briefpartner wissen. Charlotte schreibt darüber, dass Deutsch ihr Lieblingsfach ist. In ihrer Freizeit singt das Mädchen im Chor und berichtet über einen Auftritt.

Die Idee für diese Briefe hatte eine Lehrerin. Die Kinder in dieser Jahrgangsstufe sollen dadurch lernen, wie man Briefe schreibt und welche Regeln dafür gelten. Mit echten Briefpartnern sei das eher motivierend als nur in Arbeitsheften, ist die Pädagogin überzeugt.  Aus ihrer Sicht könne das regelmäßige Briefeschreiben zudem helfen, Rechtschreibdefizite abzubauen. Außerdem möchte die Pädagogin die Möglichkeit unterstützen, dass sich die Generationen austauschen können. Nicht alle Kinder hätten Groß- oder gar Urgroßeltern in der Nähe.

Kursana Domizil Direktor Ronald Sommerfeld war von der Idee sofort angetan und bat seine Mitarbeitenden, das Projekt so gut es geht zu unterstützen. „Briefe per Hand zu schreiben, ist ja ziemlich aus der Mode gekommen. Unsere Bewohner freuen sich bestimmt, Post aus Kinderhand zu bekommen“, erklärt er. Und nicht nur das: Auch für die Bewohner wird das Schreiben eine gute Möglichkeit sein, ihre kognitiven Fähigkeiten zu trainieren und unter Beweis zu stellen. 

Die ersten Reaktionen, nachdem die „Briefträgerin“ zu den Bewohnern kam, war sehr anrührend. “Ich bin sehr gerührt“, erzählt Ingeborg Mieglich. „Das Mädchen, das mir geschrieben hat, stammt aus der Ukraine. Ich habe ihr geschrieben, dass ich ihr wünsche, dass der Krieg bald vorbei ist. Ich habe selbst Krieg erlebt. Das wünsche ich keinem Kind.“

Die Post zum Osterfest ist nur ein Auftakt. Die Beteiligten wünschen sich, dass Brieffreundschaften zwischen Schülern und Senioren entstehen. Es habe ihr großen Spaß gemacht, mal wieder einen Brief zu schreiben, erzählt Bewohnerin Annerose Goldhahn. Für den Sommer ist ein gemeinsames Treffen in der Einrichtung geplant.

Zur Übersicht