Zum ersten Mal in ihrem Leben gehe sie jeden Tag mit Freude zur Arbeit, sagt Iryna Kutinova (62), die in der sozialen Betreuung vom Domizil Bremen tätig ist.

 
03.02.2026

Menschliche Nähe ohne viele Worte

Iryna Kutinova (62) lebt seit vier Jahren in Bremen. In der Arbeit als Betreuungskraft von Senioren im Domizil Bremen findet die Ingenieurin aus der Ukraine große Erfüllung.

Bremen. Wenn man Iryna Kutinova danach fragt, was ihr an ihrer Arbeit als Betreuungskraft im Domizil Bremen besonders gut gefällt, muss die 62-jährige Ukrainerin nicht lange überlegen. „Einfach alles“, sagt sie. „Es bereitet mir jeden Tag große Freude, den Bewohnerinnen und Bewohnern kleine Momente des Gücks zu schenken, ihr Lächeln zu sehen und ihre Dankbarkeit zu spüren.“ Im Miteinander mit den Senioren kann die engagierte Frau, die seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 mit ihrem heute 16-jährigen Enkel in Bremen lebt, ihre Sorgen um die restliche Familie in der Heimat vergessen.

Sie konnte mit ihrer Herzlichkeit punkten

In ihrer Heimatstadt Odessa hat Iryna Kutinova ein Studium zur Ingenieurin für Wasserverkehr abgeschlossen und anschließend eine Umschulung zur Buchhalterin gemacht. Über 30 Jahre arbeitete sie für ein Unternehmen, das sich auf den Groß- und Einzelhandel von Yachten spezialisiert hat. Besondere Freude hatte sie an der Korrespondenz mit ausländischen Partnern. „Ich interessiere mich für Sprachen, andere Kulturen, Yoga und vor allem für den Kontakt mit Menschen. Es hat mich mein Leben lang begeistert, neue Dinge zu lernen“, sagt sie. An der Umschulung zur Betreuungskraft hat Iryna Kutinova das Wissen über Krankheitsbilder, Kommunikation und Beschäftigungsangebote gereizt. Beim Praktikum im Domizil konnte sie mit ihrer Herzlichkeit punkten, so dass sie im August 2025 eine Festanstellung im Haus bekam.

Dankbarkeit für menschliche Wärme

Auf ihre Gruppenangebote wie Gedächtnistraining oder Gymnastik bereite sie sich jedes Mal so sorgfältig vor wie ein Künstler auf seinen Auftritt, erzählt Iryna Kutinova. Und sie arbeitet stetig daran, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern. Dass menschliche Nähe aber auch ganz ohne Worte entstehen kann, erlebt die Ukrainerin immer wieder in ihren Einzelbetreuungen. „Ich hatte anfangs etwas Angst vor dem Besuch bei einem Bewohner, der fast vollständig taub ist“, sagt sie. „Doch wir haben uns ohne zu sprechen verstanden: Er hat meine Hand gehalten und die Wärme gespürt, die ich ihm gegeben habe. Ich habe gemerkt, wie dankbar er dafür war und wie gut es ihm tat.“

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