Anzhelika Taratukhina, Mitarbeiterin der Pflege im Kursana Domizil Donzdorf.

 
06.07.2026

Pflege: Mehrsprachigkeit als Chance

Für die Anerkennung ihrer Berufsausbildung müssen ausländische Fachkräfte meist weitreichende Deutschkenntnisse nachweisen. Worauf es in der Pflege aber vor allem ankommt und wie sich anfängliche Sprachbarrieren überwinden lassen, zeigt das Beispiel einer ukrainischen Mitarbeiterin im Kursana Domizil Donzdorf.

Donzdorf. "Ja. Bitte. Aufstehen. Spazieren gehen“. In ihrem Arbeitsalltag genügten oft wenige Worte, sagt Anzhelika Taratukhina (60). Vor zwei Jahren kam die Ukrainerin wegen des Krieges nach Deutschland. Vor sechs Monaten fing sie als Pflegeassistentin im Kursana Domizil Donzdorf an. Inzwischen verfügt sie über einen reichen Fundus an Vokabeln und versteht fast alles. Sogar ein „bisle“ schwäbisch, lacht sie. Sind präzise Formulierungen und Fachbegriffe nötig, nutzt sie eine Übersetzungs-App auf ihrem Handy. 

Expertise und Empathie

Deutsch lernt die Mitarbeiterin im täglichen Gebrauch und in Abendkursen. Fachkenntnis und langjährige Berufserfahrung brachte sie mit. Als ausgebildete Krankenpflegerin arbeitete Anzhelika Taratukhina in der Ukraine erst im Krankenhaus in der Neurologie und Kardiologie, dann in der Armee, wo sie unter anderem für das Ernährungsmanagement zuständig war. „Selten habe ich jemanden kennengelernt, die über so tiefes Wissen verfügt“, sagt Miriam Kircher, Praxisanleiterin im Kursana Domizil Donzdorf.

Nicht nur die fachliche Expertise ihrer Kollegin beeindruckt Miriam Kircher, sondern auch ihr hohes Maß an Empathie. „Einen Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz erreicht man nicht mehr über eine sprachliche Ebene“, erklärt die Praxisanleiterin. Entscheidend sei das Zwischenmenschliche, das Gefühl. 

Internationalität: „Ein Geschenk“

Dass hochqualifizierte Fachkräfte aufgrund fehlender Deutschdiplome nicht in ihren Berufen oder als Hilfskräfte arbeiten, findet Einrichtungsleiterin Anke Deile schade. Auch unter ihren Mitarbeitern gibt es einen Arzt aus Syrien. Der Bruder von Anzhelika Taratukhina, ebenfalls in Deutschland und Ingenieur, büffelt noch für das nötige B2-Zertifikat. Seine Frau, eine studierte Biologin, arbeitet in der Pflege. 

Fast die Hälfte ihres Teams käme aus dem Ausland, sagt Anke Deile. Die Sprache sei kein Problem, im Gegenteil. Denn auch die Bewohnerschaft verändere sich. Schon jetzt gäbe es im Haus Senioren, die nur Serbisch, Russisch oder Türkisch sprechen. „Wir müssen internationaler werden“, sagt die Direktorin und ergänzt: „Wir erweitern unsere Pflegelandschaft nicht nur durch Sprache, sondern auch durch Kultur. Das ist ein Geschenk.“ 

Anzhelika Taratukhina fühlt sich in Deutschland wohl. Vieles sei gut hier, findet sie. Sie lobt das Essen und die Straßen und sagt: „Ich habe Arbeit. Ich lebe in einer Wohnung, die ist warm. Es gibt Wasser, kaltes und warmes Wasser.“ Wenn der Krieg vorbei ist, möchten sie gerne hierbleiben. 

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