Sehen aus wie die Originale im Wald aus, sind aber nicht giftig, sondern lecker: Fliegenpilze und andere alte Gerichte haben die Senioren, im Bild von rechts Birgida Dahmen, Michael Müller, Helga Heinze und Betreuerin Natalia Schuppe, gekocht. Der Geschmack weckte Erinnerung an früher.

 
29.04.2025

Mit allen Sinnen auf Entdeckungsreise

Die Senioren haben sich während der Nostalgiewoche bei verschiedenen Aktionen auf eine Zeitreise begeben. In der Küche wurden Gerichte von früher gekocht, um auf den „Geschmack der Vergangenheit“ zu kommen und darüber zu sprechen.

Dreieich. Ums Essen drehen sich viele Geschichten und Erinnerungen, die mit Erlebnissen in der Familie zusammenhängen. Über den Geruch und den Geschmack werden alte Bilder und Momente, die manchmal Jahrzehnte zurückliegen, wieder lebendig. Das haben die Senioren im Kursana Domizil bei der Nostalgiewoche erfahren, als sie leckere Gerichte von früher kochten und damit allen in der Gruppe einen Einblick in die Biografie, die individuelle Lebensgeschichte, ermöglichten.

Wer kennt den Falschen Hasen noch? Das klassische Gericht der deutschen Küche, insbesondere aus der Zeit der Nachkriegsjahre und der DDR. Er handelt sich um eine Art Hackbraten, der mit mit eingeweichtem Brot, Zwiebeln und Gewürzen hergestellt wird. In die Mitte kamen meist gekochte Eier, um dem Gericht eine besondere Optik und zusätzliche Sättigung zu verleihen. Der Name Falscher Hase entstand, weil echtes Wildfleisch in der Nachkriegszeit selten und teuer war. Hackfleisch war eine erschwingliche Alternative. Traditionell wurde der Falsche Hase besonders im Osten Deutschlands, also in der DDR, serviert.

Neben diesem Gericht standen bei den Senioren während der Nostalgiewoche auch Fliegenpilze auf der Speisekarte. Die Gruppe kochte Eier und servierte dazu, wie einige es von früher kennen, Tomaten. Helga Heinze liegt der Geruch der alten Gerichte noch in der Nase und der Geschmack auf der Zunge. Die 86-Jährige ist in Berlin groß geworden und liebt die typischen Gerichte aus der DDR, die sie früher gern für die Familie mit den beiden Söhnen gekocht hat.

Typisch waren das spezielle Jägerschnitzel, das eigentlich Leberkäse war oder Milchnudeln mit Rosinen, Eierschecke und Fanta-Kuchen. All das hat das Restaurant im Kursana Domizil den Senioren während der kulinarischen Nostalgiewoche angeboten oder die ältere Generation kochte selbst gemeinsam mit dem Team der Sozialen Betreuung.

Der „Geschmack der Vergangenheit“ und ebenso der Geruch löst sofort Bilder im Kopf aus, die tief im Unterbewusstsein gespeichert sind. Die Präsenz der Erinnerungen hat biologische Ursachen, die dafür sorgen, dass spezifische Düfte oder Geschmäcker wieder aktiviert werden, oft in einer sehr intensiven und emotionalen Weise. Der Geruchs- und Geschmackssinn sind direkt mit dem limbischen System im Gehirn verbunden, das für Emotionen und Erinnerungen verantwortlich ist. Somit haben es auch am Nachmittag die „Leibesübungen“ im Gymnastikraum sowie beliebte DDR-Getränke wie Vita- und Club-Cola beim nostalgischen Abend geschafft, so manchen Senioren eine Brücke in vergangene Jahrzehnte zu bauen. Statt der aktuellen Tageszeitung wehte ein Hauch von Nostalgie, da das Unterhaltungsmagazin „Retro“ auslag, in dem spannende Geschichten über die Höhepunkte und Skandale der Stars der vergangenen 50 Jahre zu lesen waren.

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