24.09.2026
Im Garten wachsen Erinnerungen
Im Kursana Domizil wird der Garten zu einem besonderen Erlebnisraum. Die Senioren setzen Pflanzen in die Erde, ziehen Gemüse, schneiden Sträucher oder nutzen Kräuter für die Küche. Die Natur bietet ein großes Potenzial, das für die soziale und therapeutische Arbeit eingesetzt wird.
Griesheim. Es sieht so aus, als seien im Garten viele Erinnerungen vergraben. Wenn die Senioren bei der Arbeit an den Beeten Erde zwischen den Fingern spüren, Pflanzen umtopfen oder den Duft von Kräutern schnuppern, werden alte Bilder wieder lebendig. Die Handgriffe sind vertraut. Die Gartenarbeit war für viele schon früher pure Entspannung und wurde als eine Beschäftigung empfunden, bei der man gut abschalten, den Kopf frei machen kann. Im Kursana Domizil setzt das Team der Sozialen Betreuung die Gartenarbeit gezielt als Therapieangebot ein.
Wenn es das Wetter zulässt, treffen sich die Senioren einmal die Woche im Grünen. Die Beschäftigung im Garten ist erdverbunden. Mit jedem Handgriff wachsen die Erinnerungen. Das offene Angebot im Grünen richtet sich an alle Bewohnerinnen und Bewohner. Pflanzenkunde, Gartenarbeit und jahreszeitliche Themen eröffnen unterschiedliche Zugänge zur Natur. Hochbeete bepflanzen, Kräuter einsetzen, Pflanzen umtopfen oder einen Sinnesgarten gestalten: Die Tätigkeiten schaffen Raum für Bewegung, Kreativität und Begegnungen. Somit verbindet die Gartentherapie Naturerlebnisse mit Biografiearbeit und dem sozialen Miteinander in der Gruppe.
„Die neue Gartentherapie wird sehr begeistert angenommen. Das zielgerichtete, strukturierte und bewusste Auseinandersetzen mit bekannten und vertrauten Tätigkeiten früherer Zeiten weckt Fähigkeiten und stärkt das Wohlbefinden und das Gemeinschaftsgefühl“, sagt Direktorin Brigitte Weichel. Einige Fachleute im Team der Sozialen Betreuung lassen sich derzeit zu gartentherapeutischen Assistentinnen ausbilden. Die Qualifizierung erfolgt im Rahmen eines Förderprojekts der Krankenkasse IKK classic in Zusammenarbeit mit dem Institut „Gärten helfen Leben“. Die einjährige Weiterbildung verbindet Theorie und Praxis und vermittelt unter anderem Kenntnisse in Botanik, Nutz- und Heilpflanzen sowie psychotherapeutischen Methoden.
Mit dem Projekt der Gartentherapie gibt das Kursana Domizil eine praktische Antwort auf die Frage, wie sich natürliche Erfahrungsräume systematisch in die Betreuung älterer Menschen integrieren lassen. Das Angebot richtet sich auch an Menschen mit einer demenziellen Erkrankung, die bei der Gartenarbeit in einer kleinen Gruppe Feinmotorik, Sinneswahrnehmungen und Orientierung trainieren.
Die ersten Treffen zeigen, dass Pflanzen, Gerüche und Tätigkeiten im Grünen an frühere Lebenserfahrungen anknüpfen, Brücken in die Vergangenheit und – am Beet im Kursana-Garten – zu anderen Senioren bauen. Wer früher einen Garten bewirtschaftet, Gemüse angebaut oder Kräuter verarbeitet hat, findet in solchen Tätigkeiten einen vertrauten Zugang. Die Aktivität bei der Gartentherapie ist somit nicht nur eine Beschäftigung, sondern für die ältere Generation macht sie die Selbstwirksamkeit erfahrbar.
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