Doreen Otte arbeitet seit fast 14 Jahren im Kursana-Domizil.
Doreen Otte ist im ersten Lehrjahr, ihre Tochter schon im zweiten. Während die Mutter zur Berufsschule nach Bergen auf Rügen pendelt, lernt die Tochter in Greifswald. „Wir können uns gut austauschen“, erzählt Doreen Otte.
Das Berufsziel für beide: Ergotherapie. Allerdings hat die Mutter schon mehrere Stationen hinter sich: Nach einer Berufsausbildung zur Eisenbahnerin arbeitete sie etliche Jahre in einem Stellwerk. Dafür musste sie allerdings für anderthalb Jahre nach Nordrhein-Westfalen ziehen, denn damals fand sie hier im Land keinen Job. Später kehrte sie in die Heimat zurück und arbeitete sieben Jahre lang in einer Wäscherei. „Das war eine schwere Arbeit, aber das Umfeld passte. Und ich wollte ja auch Geld verdienen, denn ich hatte zu dem Zeitpunkt schon zwei Kinder.“ Nachdem die Firma aufgeben musste, stand 2009 ein Neustart an – und der führte Doreen Otte in eine ganz neue Richtung: Während eines Praktikums im Kursana-Domizil lernte sie die Tätigkeit als Betreuerin kennen – und wusste sofort, dass sie ihren Traumberuf gefunden hatte. Sie absolvierte eine dreimonatige Schulung, kam für den praktischen Teil immer wieder in das Haus an der Bahnhofstraße. Danach dauerte es zwar noch einige Monate, aber seit Mai 2011 arbeitet Otte fest im Kursana-Domizil.
„Diese Arbeit ist meine Berufung“, schwärmt sie. „Wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich sowas von Anfang an gemacht. Ich liebe die Arbeit mit diesen Menschen. Sie bringen einem so viel Dankbarkeit entgegen. Ich habe vor jedem Einzelnen höchsten Respekt, und das zeige ich auch.“ Sie kennt jeden der gut 100 Bewohner, lernt neue Namen und Gesichter schnell kennen.
Ausbildung als Grundlage für die Zukunft
Vor wenigen Monaten hat sie die dreijährige Ausbildung zur Ergotherapeutin angefangen. In ihrer Klasse sitzen 16-Jährige genauso wie Mittvierziger. „Ich finde das spannend“, sagt Otte. „Ich gehe gern auf die jungen Leute zu, denn ich kann ja auch von ihnen lernen. Und sie fragen manchmal uns Ältere um Rat. Bei uns spricht jeder mit jedem.“
Die Ausbildung ist anspruchsvoll. „Es ist viel zu lernen, mindestens 20 verschiedene Fächer. Anatomie und Latein sind nicht so einfach. Man muss wirklich lernen zu lernen. Und man muss es wirklich wollen“, findet sie.
Neben der Ausbildung bleibt Doreen Otte bei Kursana angestellt und kommt für 16 Stunden im Monat ins Haus – wenn in der Schule Ferien sind. Miranda van Graafeiland, die Leiterin der Sozialen Betreuung, ist froh über geschulte Fachkräfte. „Wir müssen ja auch an die Zeit denken, wenn langjährige Kollegen in Rente gehen“, sagt sie. Deshalb war für eine mögliche Nachfolge ganz gezielt in den eigenen Reihen gesucht worden.
Krankheit als Herausforderung
Etwa 70 Prozent der Bewohner des Hauses sind demenzkrank. „Da ist es wichtig, dass man mit gezielten Übungen ihre Ressourcen erhält, auch für alltägliche Dinge“, weiß die Betreuerin. „Dafür sind wir sind da, wir geben mit unseren Angeboten dem Tag eine Struktur. Wir holen sie dort ab, wo sie gerade sind – nicht nur räumlich. Das braucht ganz viel Empathie für den einzelnen Menschen.“ Otte lernt jetzt in ihrer Ausbildung, in deren Betreuung tiefer anzusetzen und mehr zu bewirken. „Das ist mit etwas mehr Lebenserfahrung – wie bei mir – einfacher.“
Manchmal haben die Angehörigen wenig Verständnis für Krankheitssymptome und Herausforderungen, ziehen sich zurück. „Ich hatte als Kind selbst viele Einschränkungen“, erzählt Otte. „Aber ich habe damals Hilfe bekommen und weiß, wie wichtig Unterstützung ist.“
Die Biografien der Bewohner zu kennen, ist ein wichtiger Teil der Betreuung und hilft dabei, Vertrauen aufzubauen. Und auch die Begleitung in den allerletzten Tagen gehört dazu. „Das kann nicht jeder gleich gut, aber ich habe damit keine Schwierigkeiten. Und es tut gut, sich mit den Kollegen austauschen zu können.“ Wenn es nach Doreen Otte geht, würde sie hier im Haus arbeiten bis zu ihrer eigenen Rente. Und die Chancen stehen sehr gut.
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