Peter Kessler hat die Familiengeschichte seiner Frau Susan Fall Kessler recherchiert und in der Kursana Villa über die Auswanderung Deutscher nach Amerika referiert. 

 
02.09.2024

Auf den Spuren der Vorfahren

Königstein. Flucht, Vertreibung oder freiwillige Migration gehören seit Jahrtausenden zur Geschichte der Menschheit. Deutschland haben laut der Online-Plattform Statista vergangenes Jahr 1,3 Millionen Menschen verlassen, 2,6 Millionen sind zugewandert. Eine große Welle von Auswanderern aus Deutschland gab es im 19. Jahrhundert, als viele in der sogenannten Neuen Welt in Amerika ein besseres Leben suchten. So auch die Vorfahren des demokratischen US-Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Walz. Der Politiker aus dem Bundesstaat Minnesota steht an der Seite von Kamala Harris. Er hat familiäre Wurzeln im Nordschwarzwald, in Kuppenheim im Kreis Rastatt.

Auf den beschwerlichen Weg über den Atlantischen Ozean gen Westen machten sich auch die Vorfahren von Susan Fall Kessler. Sie ist mit ihrem Mann seit einem Jahr in der Kursana Villa Königstein zu Hause. Peter Kessler hat die Historie der Auswanderungen recherchiert und die Geschichte der Familie seiner Frau erforscht. Seine Ergebnisse stellte er in der Kursana Villa einem interessiertem Publikum vor.
Die Ursachen für diese Massenmigration waren nach den Worten Kesslers vielfältig und lassen sich in ökonomische, soziale, politische und religiöse Faktoren unterteilen. Glaubensfreiheit spielte im 19. Jahrhundert ebenfalls eine Rolle. Damals wie heute waren und sind die Gründe der freiwilligen Auswanderung oftmals Wünsch nach höheren Lebensstandards oder besseren Berufschancen. Die Vorfahren von Susan Fall Kessler landeten seinerzeit in Indianapolis. „Einige Kapitel der Familiengeschichte wurden erst erhellt, nachdem die innerdeutsche Grenze geöffnet und die Mauer gefallen war“, sagte Peter Kessler und nannte eine Spur, die zu einem Familienmitglied nach Thüringen in die Nähe von Heiligenstadt führte.
Der 83-Jährige erläuterte den Zuhörern, wie stark die deutschen Einwanderer das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Vereinigten Staaten geprägt hatten. Die Deutschen waren eine der am besten organisierten und am höchsten angesehenen Einwanderergruppen. Viele machten große wirtschaftliche und gesellschaftliche Karrieren.
Nach Darstellung von Peter Kessler, der sich bis zur Pensionierung als Ministerialbeamter im Hessischen Umweltministerium mit der Umsetzung der EU-Wasser-Rahmenrichtlinien beschäftigte, siedelten sich südlich von Chicago besonders viele Deutsche an. Deshalb spricht man auch von dem „German Belt“, einem „deutschen Gürtel“, zu dem unter anderem die heutigen Bundesstaaten Wisconsin, Michigan, Ohio, Indiana, Illinois oder etwa Minnesota gehören. In von Deutschen dominierten Städten wie Milwaukee oder Cincinatti gab es deutsche Läden, Schulen, Kirchengemeinden, Gesangvereine, Biergärten und bis zu 800 deutschsprachige Zeitungen.
Peter Kessler teilte den Zuhörenden mit, dass es noch heute 700 Kommunen wie etwa Berlin, Oldenburg oder Bremen in Amerika gibt, die nach deutschen Städten benannt sind. Auch der Name Frankfurt taucht in variierender Schreibweise rund ein Dutzend Mal auf. Im englischsprachigen Raum erinnern einige deutsche Vokabeln wie Gemütlichkeit oder Kitsch an die Auswanderer. Das meistgebrauchte deutsche Wort sei Kindergarten, sagte Peter Kessler. Das habe man Margarethe Meyer-Schurz, der Ehefrau von Carl Schurz zu verdanken. Schurz war ein liberaler Innenminister, der sich für die Indianer und gegen die Sklaverei einsetzte. Doch nach Ansicht von Peter Kessler sollte Margarethe Meyer-Schurz noch vor ihrem Mann genannt werden, „denn sie hat 1856 den ersten Kindergarten in den USA gegründet und die Pädagogik entscheidend geprägt“, sagte Peter Kessler.

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