24.09.2026
Demenz in Bildern
„Detain Me“ – Halte mich fest – lautet der Titel einer neuen Fotoausstellung im Kursana Domizil Leinfelden-Echterdingen. Die Bilder des jungen Künstlers Levin Loh zeigen seine in der Einrichtung lebende Großmutter. Sie sind eine fotografische Untersuchung von Demenz, Erinnerung und dem Akt des Festhaltens. Und eine Aufforderung, genau hinzusehen.
Leinfelden-Echterdingen. Ein lachender Mund, ein Augenzwinkern, zwei Hände, die sich halten: In Ausschnitten porträtiert Levin Loh seine Großmutter – oder besser: ihre Krankheit. Bruchstückhafte, von weißen Balken unterbrochene Fragmente und ein Spiel mit Unschärfe lassen das Disruptive des Krankheitsbildes einer Demenz erahnen. Nie ist die 81-Jährige ganz zu sehen, ihr Gesicht solle sich der Betrachter auch ein bisschen vorstellen müssen, erklärt der Künstler.
Aber die Fotografien zeigen nicht nur ein Verschwinden. Sie lassen auch ein Wesen erkennen und werfen ein Schlaglicht auf Fältchen und Furchen, die ein ganzes Leben erzählen. „Oft wird die Krankheit nur als reiner Verlust wahrgenommen“, sagt der Zwanzigjährige. Aber „wer genau hinsieht, entdeckt nach wie vor Ausdruck, Freude, Trauer und eine ganz eigene Form der Kommunikation“. Der Titel „Detain me“ ist ein Anagramm des englischen Worts „Dementia“ und die Arbeit „der Versuch, meine Großmutter vor dem Vergessen zu bewahren, während sich das Bild selbst bereits aufzulösen beginnt“, so Levin Loh.
Die neun Fotografien umfassende Serie ist im Rahmen einer Bewerbung an der Kunsthochschule Den Haag entstanden. Auf Initiative von Irena Häfele, Leiterin Sozialen Betreuung im Kursana Domizil Leinfelden-Echterdingen, ist sie seit Kurzem im Eingangsbereich der Einrichtung ausgestellt. „Viele bleiben stehen, um die Bilder zu betrachten“, erzählt sie. Ihr selbst gefällt besonders das Bild, das die Hand der Großmutter und die der Mutter zeigt. Auch an der Uni in Holland hat die Fotoserie berührt: Den Studienplatz hat Levin Loh bekommen.
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