Ehrenamtler Egon Martin ist gern gesehener Gast im Kursana Domizil Leinfelden-Echterdingen. Bild: Kursana

 
16.06.2017

Spaß mit Pinsel und Farben

Ehrenamtler malt mit Bewohnern im Kursana Domizil

„Das Gelb ist bissele streng“, urteilt Egon Martin. Das Bild eines Vogels, das er begutachten soll, ist in sehr kräftigen Farben gestaltet. Martin liebt eher die sanfteren Töne. Der 90jährige kommt einmal pro Woche ins Kursana Domizil Leinfelden-Echterdingen, um hier mit den Bewohnern zu malen. Diesmal sind es sechs Männer und Frauen, die sich um den großen Tisch versammelt haben. Darauf befinden sich mehrere Behältnisse mit Stiften, verschiedene Malvorlagen und Zeichenpapier. Alle Teilnehmer sind konzentriert bei der Sache, gesprochen wird wenig. Ab und zu zeigen sie sich ihre Werke oder lassen sich bei der Farbgebung beraten.

Seit drei Jahren malt Egon Martin mit den Senioren. „Viele, die hier wohnen, kenne ich gut“, erzählt der Ehrenamtler, der einst in Leinfelden einen Elektrobetrieb führte. „Damals kamen die Leute zu mir ins Geschäft, heute komme ich zu meinen alten Kunden ins Domizil“, lacht er. Das Elektrogeschäft gibt es noch, nur sind jetzt im Schaufenster Bilder ausgestellt. „Ich hab da meine eigene Galerie aufgemacht“, erzählt der Hobbykünstler. Er selbst bevorzugt für seine Arbeiten Natur- und Landschaftsmotive. „Unsere Gegend ist so was Tolles. Wenn ich mit dem Fahrrädle unterwegs bin, freue ich mich über jede Blume am Wegesrand“, sagt er. Immer wieder lässt es er sich von der Natur zu neuen Bildern inspirieren. Gemalt hat Egon Martin schon als Kind gern - und auch sehr gut, wie seine Lehrer meinten. Drei Bücher zum Thema Familie, Vergangenheit und Vereinsmeierei hat er – der 18 Jahre lang im Gemeinderat saß – zu Papier gebracht.

Martin ist ein wahres Multitalent: Er spielt Klavier, singt einmal wöchentlich mit Kindern und interessiert sich für Fußball. In den 50er Jahren hat er beim legendären Weltmeister-Trainer Sepp Herberger einen Lehrgang besucht. Der rüstige Senior hat jeden Tag Verpflichtungen, wie er sagt. „Ich sehe das alles als Aufgabe. Solange ich lebe, muss ich etwas tun“. Der christliche Glaube und die Dankbarkeit, die er für jeden Tag empfindet, helfen ihm dabei. Jetzt am Ende der Malstunde, geht er noch zum Friedhof und bringt frische Blumen ans Grab seiner Frau – natürlich die vom Wegesrand.  

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