30.07.2024
„Bei Malwina ist man nie der Dumme“
Vor elf Jahren startete Malwina Barczak (38) im Kursana Domizil Oststeinbek als Reinigungskraft. Mittlerweile steht die Pflegefachkraft kurz vorm Abschluss ihrer Fortbildung zur Praxisanleiterin. Für ihre Auszubildenden ist die Polin ein großes Vorbild.
Auf der Suche nach ihrem Lebensmotto muss Malwina Barczak nicht lange überlegen. Den Satz „Der Glaube an sich selbst ist das erste Geheimnis des Erfolgs“ hat sich die Polin 2008, als sie ohne Deutschkenntnisse nach Oststeinbek gekommen ist, mühsam selbst aus ihrer Muttersprache übersetzt. „Ich bin wissbegierig und kann anpacken. Vieles habe ich mir in meinem Leben selbst beigebracht. Und ich habe alle Chancen genutzt, die sich mir geboten haben“, sagt die 38-Jährige, die im Kursana Domizil Oststeinbek eine rasante Karriere von der Reinigungskraft zur Pflegefachkraft und Praxisanleiterin für Auszubildende absolviert hat. Für ihr multikulturelles Team ist Malwina Barczak ein großes Vorbild. „Malwina kann uns Fachthemen leichter erklären, weil sie selbst zweisprachig denkt“, sagt Klara Dzhurabaeva (23) aus Kirgistan, die kurz vorm Abschluss zur Pflegfachfrau steht. „Sie weiß ja aus eigener Erfahrung, wie schwer der Weg ist, wenn man aus einer anderen Kultur kommt.“
Mit dem Pflegeberuf kam Malwina Barczak gleich nach dem Abitur in Polen in Berührung: Ihre Mutter setzte durch, dass sie sich an einer Pflegeschule anmeldet, während sie selbst erst einmal etwas von der Welt sehen wollte. Nach einem halben Jahr machte sich die damals 18-Jährige ohne Englischkenntnisse auf den Weg zu einer Freundin nach Irland und jobbte in Dublin als Nachtwache, Kellnerin und Reinigungskraft. Zurück in Polen wurde sie mit 21 Jahren Mutter eines Sohnes und machte sich mit einer Boutique selbständig, um den Säugling immer bei sich haben zu können. Zwei Jahre später folgte sie ihrem Partner nach Oststeinbek, lernte eigenständig die deutsche Sprache und gründete einen Ein-Frau-Betrieb als Haushalts- und Pflegehilfe. Außerdem jobbte sie als Kellnerin und Reinigungskraft. Bei ihrem Minijob im Domizil kam sie schnell in guten Kontakt zu den Senioren und entschied sich, die 16-monatige Ausbildung zur Gesundheits- und Pflegeassistentin zu machen.
Als Monika Schmidt vor fünf Jahren die Leitung des Domizils übernahm, erkannte sie schnell die Stärken von Malwina Barczak. Nach der Fachkraftausbildung bot sie ihr die Weiterbildung zur Praxisanleiterin im Haus an. „Malwina hat viel Fachwissen und kann gut mit Menschen umgehen. Sie erkennt beim Gegenüber schnell die Risiken, Bedürfnisse und Potenziale“, sagt die Direktorin.
Derzeit unterstützt Malwina Barczak im Haus fünf Auszubildende auf ihrem Weg zur Pflegefachkraft oder zum Pflegeassistenten dabei, das Gelernte im Pflegealltag umzusetzen und sich auf die Prüfungen vorzubereiten. In den vier Praxisanleiter-Stunden pro Woche kommt sie ihren Schützlingen auch menschlich sehr nah. „Ich möchte, dass mir die Auszubildenden vertrauen und sich auch in Krisen an mich wenden. Aufgeben ist keine Option, sage ich immer“, meint die ehrgeizige Powerfrau, die schon mit der nächsten Fortbildung zur Wundexpertin liebäugelt. Natmir Musli (18), der im zweiten Jahre seiner Ausbildung zum Pflegefachmann steht, weiß die intensive Begleitung durch seine engagierte Praxisanleiterin sehr zu schätzen. „Ihr Weg macht mir Mut“, sagt der Teenager mit albanischen Wurzeln. „Am meisten gefällt mir, dass sie schwierige Themen notfalls immer wieder erklärt und dabei sehr fair ist. Bei Malwina ist man nie der Dumme.“
Zur Übersicht