Direktorin Maria Helena Cammaus (sitzend) mit ihren Mitarbeiterinnen Denise Ressel, Sevgi Güzel, Stephanie Szaniawski mit Ehemann Krystian und Pflegedienstleiterin Berrit Knoop (v.l.n.r.). Zu Besuch sind Leyla, Noah, Melina und Ben (v.l.n.r.). ©Kursana

 
29.08.2016

Babyboom in Seniorenvilla

Die Bewohner der Kursana Villa Reinbek sehen die Kinder der Mitarbeiter aufwachsen. Derzeit können sich die Senioren über eine Menge Nachwuchs freuen.

„Da kommt ja wieder unser Kindergarten“, ruft Bewohnerin Elisabeth Gerlach (93) und strahlt übers ganze Gesicht, als die dreijährige Leyla zusammen mit ihrer Schwester Melina und dem kleinen Noah (beide 23 Monate) über die Terrasse der Senioreneinrichtung tollt. In der Kursana Villa Reinbek gehört es zum Alltag, dass die Mitarbeiterinnen mit ihren Kindern zu Besuch kommen und die Senioren am Aufwachsen ihrer Sprösslinge teilhaben lassen. „Bei uns wird Familie groß geschrieben“, sagt Direktorin Maria Helena Cammaus. „Für den Dienstplan bedeutet es zwar eine Katastrophe, wenn viele Mitarbeiterinnen durch Elternzeit ausfallen. Aber wir haben festgestellt, dass am Ende alle Seiten vom Babyboom in unserem Haus profitieren.“

Als 2014 sieben Mitarbeiterinnen der Villa schwanger wurden, stellte das Pflegedienstleiterin Berrit Knoop vor große Herausforderungen. „Es ist nicht leicht, so viele Stellen kurzfristig neu zu besetzen“, sagt sie. „Zudem müssen wir flexibel bleiben, weil wir nie wissen, wie lange die jungen Mütter tatsächlich in Elternzeit bleiben.“ Pflegehelferin Denise Ressel (25), die Mutter von Noah, kehrte ein Jahr früher als geplant in den Job zurück, als sie eine  Tagesmutter für den Sohn gefunden hatte. Pflegehelferin Stephanie Szaniawski (26) jobbt während der Elternzeit, bevor sie im Herbst ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft fortsetzen wird. Ihre Schwiegermutter kümmert sich derzeit um den einjährigen Ben.

Sevgi Güzel (27), die Mutter von Leyla und Melina, hat ihre Elternzeit für die Prüfung zur Pflegefachkraft unterbrochen und ist seit August 2015 wieder im Einsatz. Ihre Kinder werden in der Kita betreut, und wenn sie Nachtdienst hat, kümmert sich ihre Mutter Berrit Knoop um die beiden Mädchen. „Mütter im Schichtdienst müssen echte Organisationstalente und Meisterinnen der Improvisation sein“, sagt Maria Helena Cammaus. „Wir haben festgestellt, dass die jungen Frauen diese Talente auch zum Nutzen der Bewohner in den Berufsalltag einbringen. Außerdem entwickeln sie als Mütter ein größeres Verantwortungsbewusstsein, das der Arbeit zugutekommt.“

Derzeit befinden sich noch vier Mitarbeiterinnen in Elternzeit, die sich mit ihrem Nachwuchs immer mal wieder bei Kollegen und Bewohnern sehen lassen. Schließlich praktiziert der Kinderarzt gleich um die Ecke, und die anderen Mütter im Haus haben oftmals nützliche Tipps fürs Baby parat. „Ich freue mich darüber, dass fast alle Mütter nach der Elternzeit zu uns zurückkehren. So schaffen wir Kontinuität im Team“, sagt Maria Helena Cammaus. Im Dienstplan werde auch Rücksicht auf die Öffnungszeiten der Kitas genommen, wenn die jungen Mütter im Gegenzug bereit sind, ab und zu zusätzliche Nachtschichten oder Einsätze am Wochenende zu übernehmen.

Als große Gewinner der familiären Atmosphäre empfinden sich die Senioren in der Villa. „Meine Enkel sind ja schon groß und können mich nicht so oft besuchen“, meint Elisabeth Gerlach. „Aber durch die Kleinen ist bei uns immer  Leben im Haus.“

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