Svenja Schmidtke-Krohn reicht einer demenziell erkrankten Bewohnerin die Babypuppe, durch deren Gewicht die Seniorin ihren Körper wieder besser spüren kann.

 
21.09.2026

Körperwahrnehmung erhalten bei Demenz

Ergotherapeutin Svenja Schmidtke-Krohn (28) macht die Weiterbildung zur Fachtherapeutin Demenz, um betroffene Bewohnerinnen und Bewohner in der Kursana Villa Reinbek besser unterstützen zu können.

Reinbek. Alfred Becker (Name geändert) versuchte immer wieder, Tische und Stühle in den Gemeinschaftsräumen der Kursana Villa Reinbek zu verrücken – ein Verhalten, das seine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner auf dem Wohnbereich für Menschen mit Demenz störte und die Mitarbeitenden im Pflegealltag herausforderte. Um die Ursachen solchen Verhaltens noch besser zu verstehen und gezielt behandeln zu können, erweitert Ergotherapeutin Svenja Schmidtke-Krohn (28) gerade ihr Fachwissen durch die Weiterbildung zur „Fachergotherapeutin Demenz nach Gudrun Schaade“. „Menschen mit Demenz verlieren mit der Zeit nicht nur ihre kognitiven Fähigkeiten, sondern auch immer mehr ihre Körperwahrnehmung“, erklärt sie. „Viele herausfordernde Verhaltensweisen entstehen aus dem Bedürfnis heraus, den eigenen Körper zu spüren. Die Körperwahrnehmung lässt sich durch ergotherapeutische Maßnahmen stärken und damit das Verhalten so umlenken, dass es niemanden stört.“ 

Selbständig essen, auch wenn es nicht perfekt aussieht   

Neben medizinischem Basiswissen stehen bei der einjährigen, praxisnahen Fortbildung die Besonderheiten der Demenzerkrankung und das Handwerkszeug zur Förderung von motorischen, kognitiven und sensorischen Fähigkeiten bei Betroffenen im Mittelpunkt. Die demenzfreundliche Ausrichtung der Villa macht durch einen besseren Personalschlüssel und die hohe Fachlichkeit des Teams möglich, neue Wege zu gehen. „Hier bleibt die Zeit, die Bewohner so zu begleiten, dass sie an unseren therapeutischen Tischen möglichst lange selbständig essen können. Auch wenn das nicht perfekt aussieht“, sagt Svenja Schmidtke-Krohn. „Und ich kann als Ergotherapeutin zusammen mit der Pflege die Bedürfnisse von kognitiv eingeschränkten Bewohnern erkunden und einen Therapieplan erstellen.“ 

Sich im Alltag wieder besser spüren  

Die Körperwahrnehmung von Betroffenen stärkt die Ergotherapeutin durch Berührungen der Haut mit verschiedenen Oberflächen und taktile Reize wie Vibrationen durch ein Massagegerät oder durch die eigene Stimme beim Singen. Außerdem setzt sie Ballspiele ein. Auch das Gewicht einer Puppe beim Tragen zu spüren, kann zu einer besseren Körperwahrnehmung beitragen. Alfred Becker übte beim Gangtraining mit Svenja Schmidtke-Krohn mit einem Rollator, der durch Bücher beschwert ist, über die Flure zu gehen. Dadurch konnte er seinen Körper wieder besser spüren und ist ruhiger geworden. 

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