Beim Workshop mit Paul Kustermann trainieren Pflegekräfte, Mitarbeiterinnen der sozialen Betreuung und zwei ehrenamtliche Sterbebegleiterinnen des Ambulanten Hospizdienstes Reinbek einen humorvolleren Umgang mit Problemen. ©Kursana

 
23.11.2017

Mehr Leichtigkeit im Pflegealltag

Im Impulsseminar „Humor in der Pflege“ vermittelt Clown und Coach Paul Kustermann den Mitarbeitern in der Kursana Villa Reinbek neue Wege im Umgang mit Stress und Konflikten.

„Glauben Sie an Wunder?“, fragt Paul Kustermann gleich zu Beginn des Seminars „Humor in der Pflege“ in die Runde. Während die Teilnehmerinnen noch über ihr Verhältnis zum Unerklärlichen diskutieren, pustet der Coach bereits den ersten Luftballon auf und wirft ihn einer Frau zu. Bald fliegen drei Ballons zwischen den Teilnehmerinnen hin und her, oft grätscht eine in die Mitte des Stuhlkreises oder flitzt durch den Raum, um alle Ballons in der Luft zu halten. Alle lachen, albern herum. Am Ende des Spiels ist aus neun Individuen ein fröhliches, starkes Team geworden. „Dass man Erwachsene in wenigen Sekunden in Kinder verwandeln kann, das halte ich für ein wahres Wunder“, meint Paul Kustermann lächelnd.
Seit einem Jahr besucht der Clown und Coach, der 1994 den Verein „ROTE NASEN - Clowns im Krankenhaus“ mitgegründet hat, Altenpflegeinrichtungen von Kursana, um die Mitarbeiter für einen neuen Umgang mit Stress und  Konflikten zu schulen. Beim Impulsseminar in der Villa Reinbek sind neben Pflegekräften und Mitarbeiterinnen der sozialen Betreuung auch zwei ehrenamtliche Sterbebegleiterinnen des Ambulanten Hospizdienstes Reinbek zu Gast. „Ich wünsche mir, künftig herausfordernde Situationen mit unseren demenziell erkrankten Bewohnern entspannter meistern zu können“, bringt Marion Hesse von der sozialen Betreuung ein typisches Anliegen auf den Punkt. Der Schlüssel dazu liege in der Änderung der eigenen Haltung, erläutert Paul Kustermann. „Der Humor ist dabei unsere Ressource, die es möglich macht, einen Schritt zurückzutreten und Abstand zu gewinnen. Aus der Ruhe heraus können wir Situationen auf neue, spielerische Art begegnen.“ Voraussetzung dafür sei jedoch, wirklich im Augenblick und in einem guten Kontakt zum Gegenüber zu sein.
In Partnerübungen wird auf die Probe gestellt, wie Nähe und Wertschätzung im Umgang gelingen. Dann lädt Paul Kustermann die Teilnehmerinnen dazu ein, sich ein inneres Bild zu suchen, das Ruhe und Kraft spendet. Das Gegenüber kann mich nicht mehr provozieren, wenn ich eine „innere Samurai-Haltung“ einnehme und an etwas Beruhigendes wie Pusteblumen denke. Schließlich wird anhand konkreter Alltagssituationen besprochen, wie dieser Spiel-Raum für neue Handlungsweisen genutzt werden kann. „Deuten sie ein Schimpfwort, mit dem Sie ein psychisch Kranker bezeichnet, zum Kosenamen um und bedanken Sie sich dafür“, schlägt der Coach vor.
Marion Hesse überlegt zusammen mit den anderen, wie sie angespannte Situationen künftig mit so einer scheinbar paradoxen, liebevoll provokativen Reaktion entschärfen könne: Warum nicht einmal einen demenziell Erkrankten mit Hinlauf-Tendenz überholen und mit ausgebreiteten Armen zu einer Umarmung einladen? Und warum nicht bei einem Gegenüber, das seinen Wunsch zu sterben formuliert, nachfragen, wie man helfen könne? Oft entstehe so im Gespräch eine Art Komplizenschaft, in der ein Betroffener Trost finden und sich sogar neu dem Leben zuwenden könne, berichtet Paul Kustermann aus vielen Jahren Clowns-Arbeit in therapeutischen Einrichtungen.
„In der Pflege übernehmen wir sowieso viele verschiedene Rollen“, überlegt Pflegedienstleiterin Berrit Knoop. „Durch dieses Seminar fühle ich mich ermutigt, öfter einmal die Perspektive zu wechseln und neue Wege auszuprobieren.“ Die rote Clownsnase tragen die Frauen am Ende des Seminars gut gelaunt wie eine Auszeichnung. Wenn das nicht auch ein Wunder ist.    

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