30.10.2026
Kleine Frau ganz groß in der Demenzpflege
Mit Ruhe und einem großen Herz für die Bewohnerinnen und Bewohner leitet die 1,53 Meter kleine Alexandra Günther (39) den Demenzbereich im Kursana Domizil Schneeberg.
Schneeberg. Der Wohnbereich für demenziell Erkrankte befindet sich nicht versteckt im Haus, sondern ist gleich im Eingangsbereich für alle sichtbar. Hier gibt es 22 Plätze, damit Bewohner wieder ihren Platz und ihre Orientierung im Leben finden, trotz der vielen Unsicherheiten, die sich aus der Diagnose Demenz ergeben. Mittendrin arbeitet seit über fünf Jahren eine Frau mit unheimlich mentaler Stärke: Alexandra Günther.
Gute-Stube-Gefühl fördern
Als Wohnbereichsleiterin sorgt sie dafür, dass die Bewohnerinnen und Bewohner dieses Gute-Stube-Gefühl spüren: sich wohlfühlen, durch nostalgische Möbel und Accessoires Erinnerungsanker bekommen, in Gemeinschaft leben. „Ich tauche täglich in die Gefühlswelt der demenziell Erkrankten ein und versuche, sie zu steuern“, erklärt die gelernte Altenpflegerin. Planbar ist dabei nichts. Doch die Mutter von zwei Töchtern bringt absolut nichts aus der Ruhe. Sie behält die Übersicht und reagiert blitzschnell auf irrationale, skurrile Situationen. „Da wollte mir eine Bewohnerin beispielsweise etwas schenken. Sie öffnete ihre Hand, in der aber gar nichts war und drängte darauf, die Luft zu nehmen“, erzählt Alexandra Günther aus ihrem Pflegealltag. Mit Fachwissen, Erfahrung, Geduld und Empathie begegnet sie solch merkwürdigen Momenten. Zusammen mit ihren zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern fördert sie für ihre Schützlinge einen geregelten Tagesablauf, wiederkehrende Rituale und vertraute Tätigkeiten, um ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Bei all den durch die Demenz hervorgerufenen Unwägbarkeiten, Aufregungen und unlogischen Handlungen richtet Alexandra Günther ihren Focus auf die Kernbotschaft „Ein menschliches Leben trotz Demenz“.
Auswege aus dem Gefühlschaos zeigen
In den letzten Jahren beobachtet sie die Tendenz, dass die Menschen in immer höherem Alter in den Wohnbereich ziehen. „Früher hatten wir überwiegend Bewohnerinnen und Bewohner um die 80 Jahre, heute sind sie 90 und 100 Jahre alt“, weiß sie. In Deutschland leben derzeit etwa 1,8 Millionen demenziell Erkrankte. Oft stehen die Angehörigen vor unlösbaren Aufgaben, sind verzweifelt. Finden sie den Weg ins Kursana Domizil Schneeberg, nimmt Alexandra Günther auch die Angehörigen an die Hand und zeigt Auswege aus dem Gefühlschaos, das oft herrscht.
Apropos Gefühlschaos. Während die in Aue aufgewachsene Sächsin dienstlich die Ruhe in Person ist, dreht sie privat ganz gern richtig laut auf: „Ich kann bei Metalmusik echt gut entspannen, höre beispielsweise Metallica und Motörhead“ verrät Alexandra Günther. Manchmal genießt sie die Musik auch mitten in der Menge, wie in diesem Jahr unter 30.000 Fans im Berliner Olympiastadion beim Konzert der kalifornischen Metalband „System of a Down“.
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