Gertrud Puth freut sich über den Besuch des Therapieponys und traut sich, „Max“ zu füttern.
Seligenstadt. Die Senioren sind nicht irgendeinem Pony begegnet. „Max“ hat Papiere. Er ist ein geprüftes Therapiepony des Vereins „Malteser Therapiehunde Aschaffenburg“ und hat sozusagen eine Ausbildung absolviert. Er besitzt besondere Fähigkeiten, die von einer Trainerin der Deutschen reiterlichen Vereinigung (FN) offiziell geprüft und zertifiziert wurden. „Max“ gefällt es, wenn Menschen in seiner Nähe sind und ihn streicheln. Er hat eine besonders liebevolle Art, das haben die Senioren im Kursana Domizil schnell gespürt.
Im Alter gewinnen Menschen an Gelassenheit. Viele Senioren sind entspannt, da sie vieles schon erlebt und mit all den Erfahrungen eine gewisse Ruhe entwickelt haben. „Max“ ist zwar erst 18 und doch kann das Pony so gut wie nichts aus der Ruhe bringen. Beim Besuch der älteren Generation hat er bewiesen, dass Entspannung gut tut und schnell Verbindungen zu anderen schafft. Wo gibt´s denn sowas? Im Kursana Domizil fährt „Max“ mit dem Fahrstuhl in die Wohnbereiche der oberen Etagen, damit auch Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, tierisch schöne Momente erleben können.
Horst Bastian war besonders berührt, als „Max“, wie angekündigt, tatsächlich bei ihm im zweiten Stock im Zimmer stand. Der Besuch des Therapieponys war für den 77-Jährigen eine Zeitreise. „Max“ ließ Erinnerungen lebendig werden. Horst Bastian war Pferdebesitzer und Kutschfahrer. Das Pony brachte schöne Bilder von früher in Fahrt. Auch Gertrud Puth war begeistert, einem Pony so nahe zu kommen. Ohne Scheu fütterte der 75-Jährige das Pony. „Max“ verhielt sich professionell und spielte gut mit, denn er hat in seiner Ausbildung gelernt, wie man Apfelstückchen nur mit den Lippen aufnimmt, ohne zuzubeißen. Auf seinem Stundenplan in der Lehrzeit standen auch Übungen wie Aufzugfahren und sich in kleineren Räumen ans Bett stellen, sich streicheln lassen und damit alte Menschen eine Riesenfreude machen.
Anni Oger hat in 93 Jahren schon viel erlebt, doch ein Pony im Haus, das mit dem Fahrstuhl nach oben kommt, war auch für sie neu. Sie begann sofort zu singen, als „Max“ zu ihr kommt. „Da steht ein Pferd auf dem Flur“ von Klaus & Klaus und dann kam ihr noch der Junge aus den Niederlanden mit der goldenen Stimme ins Gedächtnis. Anni Oger stimmte „Mamatschi, schenk mir ein Pferdchen“ des Kinderstars Heintje an. Der von dem Pony ausgehende Impuls zur Zeitreise führte Anni Oger mit leuchtenden Augen in ihre Kindheit zurück. Ihr Vater war Bauer und hatte mehrere große Pferde als Arbeitstiere.
Die Begegnung mit „Max“ verdeutlicht die positiven Effekte tiergestützter Begegnungen mit alten Menschen. Das Pony fördert das emotionale Wohlbefinden, reduziert Einsamkeitsgefühle und kann depressive Symptome lindern. Dass das Tier Erinnerungen weckt, wird von Fachleuten als eindrucksvolles Beispiel für die Stimulation kognitiver und emotionaler Ressourcen gesehen. Außerdem stärken Staunen, Erzählen und Lachen das Gemeinschaftsgefühl. Das hat „Max“ mit seinem Auftritt im Kursana Domizil auf jeden Fall erreicht.
Zur Übersicht