Bewohnerin Dorothea Radloff (83) war ganz gerührt von den Bildern der Schülerinnen.
Stavenhagen. Wie kann man Erinnerungen sichtbar machen? Und was passiert, wenn Jugendliche sich den Lebensgeschichten älterer Menschen mit offenem Herzen und Fantasie nähern? Diese Fragen standen im Zentrum des Projekts „Erinnerungen verbinden – Geschichten werden Bilder“, das kürzlich im Rahmen der Projekttage des Reuterstädter Schulcampus gemeinsam mit dem Kursana Domizil Stavenhagen, Haus Hüsung, stattfand. Mit dabei: Schülerinnen und Schüler der Klasse G8a sowie Maria Manke vom Kursana Domizil und Kunstlehrerin Dr. Peggy Nikelski vom Reuterstädter Schulcampus. Mehrere Seniorinnen und Senioren waren neugierig und nahmen am Projekt teil.
Zwei Tage lang kamen Jung und Alt zusammen, um sich auszutauschen, zuzuhören – und gemeinsam kreativ zu werden. Am ersten Tag begegneten die Jugendlichen „ihren“ Seniorinnen und Senioren zum ersten Mal. In kleinen Gesprächsrunden hörten sie aufmerksam zu, stellten Fragen und tauchten ein in ganz persönliche Lebensgeschichten – von Kindheit, Familie, Arbeit, Krieg, Liebe, Verlust und Hoffnung. Aus den Erzählungen entwickelten die Jugendlichen erste Ideenskizzen, in denen sie zentrale Bilder, Stimmungen und Zitate einfingen – als Vorbereitung für das spätere künstlerische Aufarbeiten. „Es war, als würde sich ein Fenster in eine andere Zeit öffnen“, sagte eine Schülerin der achten Klasse.
Am zweiten Projekttag entstanden aus den Skizzen illustrierte Aquarelle, die die Lebensgeschichten auf künstlerische Weise interpretieren. So werden die Erfahrungen bewahrt und weitergetragen – als Botschaften, die berühren und verbinden.
Mit den fertigen Arbeiten ging es zurück ins Kursana Domizil. Dort waren nun die Seniorinnen und Senioren an der Reihe: Sie betrachteten die Bilder sehr aufmerksam. Eine Bewohnerin erkannte ihre Katze, ein anderer Bewohner freute sich über den schiefen Turm von Pisa und wusste genau, was er unter das Bild schreiben möchte: „Reisen bildet.“ Und wie der Senior ergänzten alle die Bilder mit eigenen Sprüchen, Zitaten oder Gedanken. So wurden aus den Werken echte, generationenübergreifende Gemeinschaftsarbeiten.
Den Abschluss bildete eine kleine Ausstellung im Kursana Domizil, bei der die entstandenen Arbeiten gewürdigt und gemeinsam betrachtet wurden.
Das Projekt stieß auf große Begeisterung, weil es Brücken schlägt – zwischen Jung und Alt, Vergangenheit und Zukunft, Erinnerung und Gegenwart. Eine Bewohnerin brachte es treffend so auf den Punkt: „Man denkt, die Geschichten verschwinden. Aber heute habe ich gesehen: Sie leben weiter. In Bildern.“
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