29.10.2024
Arbeiten mit Menschen statt mit Maschinen
Während ihre Altersgenossen eine Lehre in Autowerkstatt oder Metallbaubetrieb beginnen, haben sich in Torgelow vier junge Männer für einen Pflegeberuf entschieden.
In diesem Jahr ist unter den neuen Auszubildenden der beiden Kursana-Domizile kein einziges Mädchen. „Das ist wirklich besonders“, meint Direktorin Beate Mühlenbächer.
Die Jungs bringen ganz unterschiedliche Lebensläufe mit, und einer hat sogar schon Erfahrung in der Pflege. Denn Kevin Voigt hat eine neue Schulform durchlaufen: In der 8. und 9. Klasse ging er nur drei Tage pro Woche zur Schule, an zwei weiteren Tagen arbeitete er als Praktikant in einer Wohngemeinschaft für sieben Pflegebedürftige. Nach seinem Abschuss der neunten Klasse schloss er dort ein Jahr Bundesfreiwilligendienst an. „Ich habe viel gemacht: Körperpflege, Essen austeilen, mit den Bewohnern spazieren gehen oder spielen. Medikamente stellen oder Spritzen geben durfte ich natürlich nicht, Dienstpläne schreiben und Dokumentation auch nicht.“ Das könnte sich ändern, wenn er seinen jetzigen Plan durchzieht: Kevin wird in anderthalb Jahren Pflege-Assistent sein und will gleich danach die Ausbildung zur Pflegefachkraft anschließen. Dafür ist er sogar nach Torgelow gezogen.
Für ihn sei früh klar gewesen, dass er einen Pflegeberuf erlernen will, erzählt der 18-Jährige aus Pasewalk – schon weil seine Mutter auch vom Fach ist. An den Umgang mit kranken oder alten Menschen hat er sich schnell gewöhnt. „Gerade bei psychisch Kranken muss man einfach nur die Ruhe behalten, auch wenn zum Beispiel Demenzkranke immer wieder dasselbe sagen oder plötzlich aggressiv werden“, sagt er.
Berührungsängste hat er nicht – und seine Patienten meist auch nicht. „Bei einer 95-Jährigen war ich irgendwann der Einzige, der sie waschen durfte“, erzählt Kevin. „Irgendwie hat sie sich bei mir sicher gefühlt, weil sie etwas wacklig auf den Beinen war.“ Nun lernt er bei Kursana im Haus Waldsiedlung, in dem chronisch psychisch Kranke betreut werden. „Das ist sogar leichter als die Arbeit mit Demenzkranken“, meint er.
Auch Noel Niehoff scheut sich nicht vor den Aufgaben in der Pflege. Der Tipp, einen solchen Beruf zu wählen, kam von einer Bekannten. „Ich habe mir das zuerst nicht zugetraut“, erinnert er sich. „Wenn man es nicht kennt, ist es ja zum Beispiel etwas befremdlich, fremde Menschen zu waschen. Aber ich habe gar kein Problem damit. Und die Bewohner lächeln, wenn sie mich sehen – das ist doch ein gutes Zeichen.“ Er lacht. Der 17-Jährige ist erst vor wenigen Monaten mit seiner Familie aus Nordrhein-Westfalen hierher gezogen. Noel hat sich gut eingelebt, kann sogar seinem Hobby Reiten weiter nachgehen.
Ausbilden für eine gesicherte Zukunft
Beate Mühlenbächer, die die beiden Torgelower Kursana-Häuser Waldsiedlung und Am Tanger leitet, setzt auf nachhaltige Ausbildung.
„In diesem Jahr hatten wir relativ viele Interessenten für die Ausbildung zum Kranken- und Altenpfleger, denn das wurde offenbar nicht überall angeboten“, erzählt sie. „Meiner Meinung nach reicht es nicht aus, eigenes Bestandspersonal weiterzubilden, um die Zukunft abzusichern.“
Jugendliche, die keinen Abschluss der 10. Klasse vorweisen können und einen Beruf im sozialen Bereich ergreifen wollen, können bei persönlicher Eignung zunächst Pflege-Assistent werden und die Ausbildung zur Pflegefachkraft direkt anschließen. Das sei der Weg, den sie für ihr Haus gehen möchte. „Dann sind sie zwar etwas länger bis zum Fachkraft-Abschluss unterwegs, aber am Ende habe ich sie als Fachkräfte.“ Sie möchte den jungen Menschen vermitteln, dass Berufe in der Pflege zukunftsträchtig sind. „Wir brauchen in der Pflege ganz viele engagierte Leute, und wir müssen uns alle zusammen dafür engagieren, sie auszubilden – auch wenn sie vielleicht auf Dauer nicht im eigenen Haus bleiben.“
Männliche Pflegekräfte findet sie auch deshalb wichtig, weil sie die Stimmung im gesamten Team beeinflussen. „Und für die männlichen Bewohner ist es vielleicht auch ganz schön.“ Vier männliche Pflegehelfer gibt es hier bereits – nun sind vier als Azubis dazugekommen. Kevin und Noel jedenfalls finden die Arbeitsbedingungen bei Kursana gut und sind sicher, dass sie sich für den richtigen Beruf entschieden haben.
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