30.05.2026

Die Geschichte erzählt von Umbrüchen

In der Kursana Villa in der Eschersheimer Landstraße ging es um nichts Geringeres als um „Gott und die Welt“. Das ist der Inhalt vieler Gespräche und zugleich der Titel des Werkes der Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz. Zu Ehren ihres 125. Geburtsjahres stand ihr Buch im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe „Frankfurt liest ein Buch“. Die Kursana Villa beteiligte sich gleich mit zwei Lesungen.

Frankfurt. In „Gott und die Welt. Aufzeichnungen aus der Wiesenau“ dreht sich alles um Marie Luise Kaschnitz‘ Frankfurter Jahre. Ihre Prosa verbindet individuelle Er-fahrung mit gesellschaftlicher Diagnose und baut somit eine Brücke zu aktuellen Debatten.
Bei einem bebilderten Vortrag des Frankfurter Stadtführers Dieter Wesp stan-den die Tagebuchaufzeichnungen der Autorin Marie Luise Kaschnitz im Mittelpunkt. Die Geschichte spielt im Kontext der stadtpolitischen Umbrüche der 1960er Jahre. Die drohende Kündigung ihrer Wohnung fungiert dabei nicht nur als biografischer Ausgangspunkt, sondern als analytischer Zugang zu strukturellen Transformationsprozessen: Immobilienspekulation, Verdrängung und die Herausbildung städtischer Protestbewegungen wie der AG Westend und der späteren Häuserkämpfe.

Mit ihrer Beteiligung an der Aktion „Frankfurt liest ein Buch“ positionierte sich die Kursana Villa als Bühne für eine differenzierte Kulturvermittlung, die be-wusst den Dialog zwischen Generationen fördert. Marie Luise Kaschnitz wurde 1901 in Karlsruhe geboren und lebte von 1941 bis zu ihrem Tod 1974 vornehmlich in Frankfurt. Zu ihren Geschichten aus der Mainmetropole haben viele Senioren in der Kursana Villa eine besondere Beziehung, denn sie haben die von der Autorin beschriebenen politischen Umbrüche in Frankfurt hautnah miterlebt.

 

 

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