Abschied von ihrem geliebten „Häkelbüdelclub“: Die Bewohnerinnen Ingeborg Pawlik, Elsbeth Tilge und Lieselotte Kalbe (v.l.n.r.) überreichten Marlen Rudolph (2.v.r.) im Namen der Gruppe ein selbst gefertigtes Abschiedsgeschenk.

 
26.05.2025

37 Jahre Pflege mit viel Herzblut

Mit 72 Jahren verabschiedete sich Pflegefachkraft Marlen Rudolph in der Residenz Hamburg von ihrer „zweiten Familie“ und ging vollends in den Ruhestand.

Hamburg-Niendorf. Als Marlen Rudolph im Sommer 1988 als Pflegehelferin in der Kursana Seniorenresidenz in Hamburg-Niendorf zu arbeiten begann, war dies für die ausgebildete Köchin ein Experiment. „Ich hatte zwei kleine Kinder zu Hause und war auf der Suche nach einem Job, in dem ich abends ein paar Stunden arbeiten konnte“, erzählt die heute 72-Jährige. Aus dem Experiment sind 37 Dienstjahre geworden, in denen Marlen Rudolph ihre Arbeit stets der jeweiligen Lebenssituation anpassen und sich beruflich immer weiterqualifizieren konnte. „Und es war nie ein Job“, sagt sie. „Pflege ist eine Arbeit, die man lieben und mit Herzblut machen muss. Für mich sind die Menschen im Haus zu einer zweiten Familie geworden.“

Anfangs kümmerte sich Marlen Rudolph beim ambulanten Dienst der Senioreneinrichtung von 17 bis 21 Uhr um die Betreuung der Bewohner in rund 30 Appartements. Für einige bereitete sie das Abendessen zu, andere unterstützte sie beim Duschen und erfüllte persönliche Wünsche. „Bei einer Bewohnerin habe ich immer den Kanarienvogel versorgt. Niemand tue das so gewissenhaft wie ich, hat sie mir immer gesagt“, erinnert sie sich. 1991 startete Marlen Rudolph berufsbegleitend in die dreijährige Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin, so dass sie anschließend die medizinische Pflege der Senioren übernehmen konnte. Schon während der Ausbildung wurde sie zur stellvertretenden Leiterin einer ambulanten Abteilung, 1995 eine von drei Stationsleiterinnen.

Eine Operation am Rücken im Jahr 2000 war auch beruflich ein Einschnitt: Marlen Rudolph kehrte zunächst als Bürokraft an den Arbeitsplatz zurück und betreute dann die Senioren auf der stationären Pflegestation. 2011 wechselte sie zum Team der sozialen Betreuung für die Bewohner in den gut 300 Appartements der Residenz. Zusammen mit Leiterin Ursula Klosa organisierte sie fortan Ausflüge, Feste, gemeinsame Urlaube und ein buntes Kultur- und Freizeitprogramm von Gedächtnistraining und Gymnastik bis zur Handarbeitsgruppe. Besonders die regelmäßigen Treffs für sehbehinderte Bewohner und die Plattdeutschrunde, die sie beide ins Leben gerufen hat, lagen ihr dabei am Herzen.

„Dies waren meine schönsten Jahre, weil die Arbeit so abwechslungsreich war und eine besondere Nähe zu den Bewohnern entstanden ist“, sagt sie. „Legendär waren immer unsere Silvesterpartys, zu denen die Damen früher sogar im Abendkleid erschienen sind. Da hat der harte Kern oft bis in die frühen Morgenstunden durchgetanzt.“ Über die Jahre hat Marlen Rudolph manches Mal bei Sorgen und Nöten Tränen von Bewohnern getrocknet. Sie hat aber auch immer wieder erlebt, wie sich im Haus Freundschaften gebildet und neue Paare gefunden haben.

„Heute kommen die Senioren in höherem Alter zu uns und haben oftmals einen größeren Pflegebedarf“, sagt Marlen Rudolph. „Die Kollegen haben durch den hohen Dokumentationsaufwand mehr Arbeit. Aber es hat unser Team immer ausgezeichnet, dass wir uns gegenseitig unterstützen und Kraft geben.“ Nachdem sie 2016 in den Ruhestand gegangen ist, blieb Marlen Rudolph ihrer Handarbeitsgruppe als Leiterin im Minijob treu. Erst als jetzt eine Nachfolgerin gefunden wurde, hat sie ihren Abschied gefeiert und will sich künftig mehr der Familie und ihrem großen Garten widmen.

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