23.04.2026
65 Jahre politische Arbeit für mehr Gerechtigkeit
1961 stellte Helmut Schmidt der Hamburgerin Helga Hinz (84) das SPD-Parteibuch aus. Die Kommunalpolitikerin, die seit knapp zwei Jahren in der Residenz Hamburg lebt, hat sich besonders für Frauen und psychisch Erkrankte engagiert.
Hamburg-Niendorf. Mit einem Monatsbeitrag von 60 Pfennig und der Unterschrift von Helmut Schmidt in ihrem SPD-Parteibuch fing 1961 alles an. Schon Helga Hinz´ Großvater hatte sich in Hamburg-Langenhorn bei den Sozialdemokraten engagiert. Als die 19-Jährige während ihrer Ausbildung die Diskriminierung eines homosexuellen Kollegen erlebte, wollte auch sie politisch etwas bewegen. „Ich konnte Ungerechtigkeit noch nie ertragen“, sagt die heute 84-Jährige, die seit knapp zwei Jahren in der Kursana Residenz in Niendorf zu Hause ist. In ihrem Appartement sind die Alben mit Zeitungsartikeln, Fotos und Dankesschreiben immer griffbereit und dokumentieren ihre beeindruckende politische Karriere.
Schon als junge Frau lernt Helga Hinz, sich durchzusetzen
Helga Hinz musste früh erwachsen werden: Ihr Vater kam krank aus dem Krieg zurück und suchte Zuflucht im Alkohol. Sie selbst erkrankte schon in der Kindheit durch eine Tuberkulose an einem Hüftleiden und fehlte wegen der Behandlung häufig im Unterricht. Mit nur dem Hauptschulabschluss hatte sie wenig Chancen auf einen Ausbildungsplatz bei der Landesbank. Doch Helga Hinz handelte im Vorstellungsgespräch eine halbjährige Probezeit aus – und überzeugte. Bei der Hamburger Sturmflut 1962, in der sich Innensenator Helmut Schmidt als Krisenmanager einen Namen machte, stand sie bereits in der ersten Reihe und füllte Sandsäcke ab. „Helmut kam oft ins Parteibüro, um uns zu motivieren“, erinnert sie sich. „Er gab mir das Vertrauen und die Sicherheit, die ich in der Kindheit vermisst hatte.“ Mit großem Eifer machte sie zusammen mit vielen Mitstreitern Wahlkampf für den späteren Bundeskanzler und ging dabei auch Konflikten mit der rechtsextremen Deutschen Volksunion nicht aus dem Weg.
Als erste Kreispräsidentin schrieb sie Geschichte
Bei den Jusos lernte Helga Hinz ihren Mann Jürgen kennen. 1966 wurde geheiratet, und als fünf Jahre später ihr Sohn geboren wurde, baute die Familie in Linau in Schleswig-Holstein ein Haus. Zuerst engagierte sich Helga Hinz dort in der Gemeindevertretung. 1982 wechselte sie in den Kreistag nach Ratzeburg, dem sie von 1994 bis 2003 als erste Frau im Präsidentenamt vorstand. Als besondere Erfolge ihrer Arbeit sieht sie an, dass 1994 ein Frauenhaus in Schwarzenbek eröffnet wurde. Und dass sie als Schirmherrin für psychisch Kranke im Kreisherzogtum Lauenburg mit Hilfe der damaligen Sozialministerin Heide Moser ab 1996 den Bau der psychiatrischen Abteilung des Geesthachter Krankenhauses und weiterer Hilfsangebote im Landkreis durchsetzen konnte.
Noch heute diskutiert sie mit den Niendorfer Genossen über Politik
„Ich blicke mit großer Zufriedenheit auf mein Leben, weil ich viel bewegen konnte“, sagt Helga Hinz, die neben ihren politischen Ehrenämtern zwanzig Jahre als gesetzliche Betreuerin von Menschen mit Handicap gearbeitet hat. „Fortschritt kann man sich erarbeiten. Deshalb wünsche ich mir, dass sich mehr junge Menschen langfristig in Parteien, Vereinen und anderen Organisationen für ihre Ziele einsetzen.“ Die Witwe pflegt bis heute einen aktiven Lebensstil: Sie startet morgens im Schwimmbad der Residenz in den Tag, nimmt im Haus an vielen Veranstaltungen teil und pflegt ihren großen Freundeskreis. Und sie lässt sich nicht nehmen, im Niendorfer Ortsverein der SPD und mit Bürgern auf der Straße regelmäßig über aktuelle politische Themen zu diskutieren.
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