Durch Unterstützung ihrer Praxisanleiterin Hayat Canbay (r.) konnte sich Jenjira Kongpeng beruflich und persönlich weiterentwickeln.
Hamburg. Der Raum für die Auszubildenden im vierten Stock der Residenz Hamburg, der von allen nur „Hayats Wohnzimmer“ genannt wird, wirkt wie eine warme Umarmung: Auf dem großen Tisch steht ein Kuchen, an den Wänden hängen Fotos von allen Azubis. Das Pflegebett, an dem das Lagern von Bewohnern geübt wird, strahlt durch viele bunte Kissen Gemütlichkeit aus. Für die Thailänderin Jenjira Kongpeng (30) ist dieser Ort, an dem sie zwei Jahre lang zusammen mit anderen die Umsetzung des Lehrstoffs im Pflegealltag geübt und für ihre Prüfungen gelernt hat, längst ein Stück Heimat geworden. Denn Praxisanleiterin Hayat Canbay (56), die selbst türkische Wurzeln hat, liegt der kultursensible Umgang und die Unterstützung bei Sprachbarrieren beim multikulturellen Pflegenachwuchs besonders am Herzen.
In ihrer Heimat hatte Jenjira Kongpeng vier Jahre Pädagogik studiert und anschließend in der Kinderbetreuung gearbeitet. Nach einem Au Pair-Aufenthalt in Hamburg machte sie einen Sprachkurs und ein Praktikum in der Pflege. „Als Jenny bei uns in die zweijährige Ausbildung zur Pflegeassistentin startete, war sie sehr schüchtern und hatte noch eine Menge Probleme mit der deutschen Sprache“, erzählt Hayat Canbay. „Aber die Bewohner haben sie schnell ins Herz geschlossen, und sie hat alle mit ihrem starken Willen, ihrem Fleiß und ihrer Ausdauer beeindruckt.“ Zusammen mit ihrer Praxisanleiterin arbeitete Jenjira Kongpeng nicht nur fachliche Themen auf, sondern lernte auch immer mehr, die kulturellen Unterschiede zu verstehen und zu Bewohnern und Kollegen eine Beziehung auf Augenhöhe aufzubauen. „Besonders die vielen Prüfungen waren sehr viel Stress für mich“, sagt die junge Frau, die ihre Familie in Thailand all die Jahre finanziell unterstützt hat. „Zur Entspannung habe ich immer in meiner Wohngemeinschaft gekocht. Durch gutes Essen bekomme ich schnell wieder gute Laune.“
Mittlerweile hat Jenjira Kongpeng nicht nur eine eigene Wohnung, sondern übernimmt als qualifizierte Assistentin auf dem stationären Pflegebereich der Residenz mit Unterstützung einer Fachkraft die Schichtleitung für zwanzig Bewohner. „Jenny hat das Zeug zur Pflegefachfrau“, ist Hayat Canbay überzeugt. Im kommenden Jahr will sie den Sprachkurs für das B2-Sprachniveau besuchen, der für die dreijährige Ausbildung vorausgesetzt wird. Doch erst einmal freut sich Jenjira Kongpeng darauf, nach fünf Jahren zum ersten Mal wieder in die Heimat zu reisen und ihre Mutter wiederzusehen. „Ich bin durch die Zeit in Deutschland eine starke Frau geworden“, sagt sie und macht sich gerade. „Weil mir hier alle geholfen und an mich geglaubt haben.“
Zur Übersicht