Helga Charlotte Koch (Mitte) und ihre Mitstreiterinnen aus dem Schreibkreis „Fantasie mit Wörtern“ sind schnell zu einer fröhlichen Gemeinschaft zusammengewachsen.
Hamburg. Alle zwei Wochen am Samstagvormittag ist es soweit: Sieben Bewohnerinnen der Kursana Residenz Hamburg treffen sich im Café ihrer Senioreneinrichtung, um sich gegenseitig ihre selbst geschriebenen Kurzgeschichten vorzulesen. Für ihre Fantasiereise hatten sie sich vorher auf sechs Begriffe wie beispielsweise „Heimweh, Regen, werfen, lutschen, mutig, Furcht“ geeinigt, die in jedem Text auftauchen müssen. „Wir freuen uns alle riesig auf diese Stunde, hören uns gegenseitig aufmerksam zu und finden füreinander nur lobende Worte“, sagt Helga Charlotte Koch (91), die den Schreibkreis „Fantasie mit Wörtern“ Ende 2025 über einen Anschlag am schwarzen Brett der Residenz ins Leben gerufen hat. „Vorher kannten wir uns alle nur vom Sehen. Da wir uns mit dem Schreiben gemeinsam etwas erarbeiten, sind wir schnell zu einer fröhlichen Gemeinschaft zusammengewachsen.“
Die Frauen im Alter zwischen 71 und 91 Jahren haben früher als Lehrerin, Schneiderin oder Flugbegleiterin gearbeitet, eine ist heute noch als selbständige IT-Beraterin tätig. Alle haben zu Schulzeiten gern Aufsätze geschrieben, bei den meisten lag die Lust am Fabulieren dann über Jahrzehnte brach. Helga Charlotte Koch hat früher nicht nur gemalt und selbst Malkurse gegeben, sie hat auch über drei Jahre an der Universität Oldenburg ein Seminar für „Kreatives Schreiben“ besucht und dabei das Arbeiten mit Impulswörtern kennengelernt. „Wir haben uns bereits von vier auf sechs Begriffe gesteigert, die wir am Ende jedes Treffens spontan in die Runde werfen“, erzählt Helga Charlotte Koch. „Durch die Wörter entsteht gleich eine Spannung, Erinnerungen werden wach, die Fantasie beginnt etwas auszubrüten. Ich schreibe Absätze oftmals um. Wenn ich am Ende eine Geschichte, die mir gefällt, zu Papier gebracht habe, ist das eine schöne Selbstbestätigung.“
Zusammen mit einer Mitstreiterin aus der Gruppe ist Helga Charlotte Koch bereits dabei, die handgeschriebenen oder getippten Geschichten zusammen mit Fotos, Kurzporträts der Beteiligten und ihren Zeichnungen zu einer ansprechenden Sammlung zusammenzustellen. „Damit möchten wir nicht nur unsere Arbeit würdigen, sondern auch andere Senioren anspornen“, sagt Helga Charlotte Koch. „Denn das Schreiben beflügelt, hält geistig fit und schafft innere Zufriedenheit. Im Alter ist unsere Kreativität ein Geschenk, mit dem wir über Schmerzen und Einschränkungen hinauswachsen können.“
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