27.08.2025
Suchhunde-Training in Seniorenresidenz
Mantrailing („Personensuche“) ist eine artgerechte Beschäftigung für Hunde, die sie mit ihrer Halterin oder Halter fest zusammenschweißt. Im Notfall können ausgebildete Hunde sogar Menschenleben retten.
Hamburg-Niendorf. Acht Mensch-Hund-Teams des „Go.Find.“-Zentrums für Suchhunde in Bad Bramstedt besuchten die Residenz Hamburg für einen Trainingseinsatz. Die Niendorfer Senioreneinrichtung mit ihren 310 Appartements in zwei Gebäuden eignet sich durch ihre zahlreichen Fahrstühle, Fluchttreppen und Flure sowie den direkten Zugang zu einem Einkaufszentrum perfekt für ein solches Indoor-Event von fortgeschrittenen „Mantrailer“-Teams. Mit den rund 350 Bewohnerinnen und Bewohnern in den Appartements, knapp hundert Mitarbeitenden und den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern hält es für die Nasenarbeit der Vierbeiner einen herausfordernden „Duftpool“ bereit.
Maren Eggers mit ihrem viereinhalbjährigen Labrador „Boje“ und Saskia Brettner mit ihrem fünf Jahre alten Harzer Fuchs-Mix „Malu“ arbeiteten für die Übung zusammen und wurden von Trainerin Tuija Neber begleitet. Für den ersten Durchgang musste „Malu“ im Auto bleiben, da Saskia Brettner die Rolle der Versteckperson übernahm. Da Menschen und Tiere pro Minute unzählige Haut- oder Fellpartikel, die ihren typischen Individualgeruch tragen, verlieren, legte Saskia Brettner bei ihrem Gang durch das Haus automatisch eine Duftspur an. Für die empfindlichen Hundenasen mit ihren über 200 Millionen Riechzellen sind diese Spuren verfolgbar. Sie können sogar ältere von frischen Spuren derselben Person unterscheiden. Als sich Saskia Brettner im Appartement von Bewohnerin Helga Charlotte Koch versteckt hatte, legte Maren Eggers ihrem „Boje“ vor der Residenz das Geschirr mit der Aufschrift „Suchhund“ um, an dem sie eine lange Leine befestigte. Dann öffnete Tuija Neber für ihn das Duftglas mit einer Stoffprobe von Saskia Brettner.
Zielgerichtet steuerte „Boje“ den Fahrstuhl an und bekam die Chance, in jedem Stockwerk zu prüfen, ob seine Versteckperson hier ihre Spuren hinterlassen hat. In der vierten Etage entschied er sich für einen Flur und führte Maren Eggers zur Tür eines Treppenhauses. Da die zirkulierende Luft in Treppenhäusern die Hautschuppen verwirbelt, lief er die Treppen nach oben und unten ab, bevor er sich für eine Richtung entschied. „Atme ganz entspannt durch“, erinnerte die Trainerin zwischendurch Maren Eggers. „Denn der Mensch ist oftmals ein limitierender Faktor, weil er dem Hund nicht genügend vertraut und sich zu sehr einmischt.“ Das Trio verfolgte über zehn Minuten die Duftspur kreuz und quer durch das Haus, ohne dass sich „Boje“ von den verlockenden Gerüchen des Restaurants oder der Ansprache durch Bewohner, die das Treiben interessiert verfolgten, ablenken ließ. Beim Auffinden von Saskia Brettner wurde „Boje“ mit einem Superleckerli belohnt und von allen ausgiebig gestreichelt, bevor im zweiten Durchgang Indoor-Profi „Malu“ zum Einsatz kam.
„Boje liebt genauso wie ich das Mantrailing. Das wöchentliche Training hat unsere Bindung vertieft“, sagte Maren Eggers. Saskia Brettner erzählte, dass ihre „Malu“ früher ein eher unsicherer Hund war. „Vier Jahre Mantrailing haben ihr Selbstbewusstsein gestärkt, weil wir als Team zusammenarbeiten und sie vorangehen darf.“ Über das „Go.Find.“-Zentrum können Interessierte das Mantrailing vom Freizeitspaß über die sportliche Variante bis hin zur Einsatzreife für reale Personensucheinsätze betreiben. In Hamburg fordert die Polizei die bei Hilfsorganisationen ehrenamtlich tätigen Mantrailer mehrmals wöchentlich an. Bei neunzig Prozent der Einsätze werden demenziell erkrankte Personen vermisst.
Am Ende des Suchhunde-Trainings fanden sich zahlreiche Seniorinnen und Senioren im Theatersaal der Residenz ein, um mehr über das Mantrailing zu erfahren, ihre Fragen zu stellen und die Hunde ausgiebig zu streicheln. „Ich finde es wunderbar, dass sie diese Arbeit mit ihren Hunden machen und bei uns üben“, sagte Bewohnerin Christel Hansen. „Schließlich möchten wir alten Menschen im Notfall ja gefunden werden.“
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