12.05.2025
Ein Künstler pendelt zwischen zwei Welten
Im wöchentlichen Kulturtreff in der Kursana Villa Königstein wird den Senioren eine große Themenvielfalt geboten. Oft sind Experten und Fachfrauen zu Gast, die über das Wirken und Leben von Künstlern, Schriftstellern oder Politikern berichten. Manchmal stehen auch Bewohner als Referenten zur Verfügung. Beim jüngsten Termin stellte der Amerika-Experte und Familienforscher Peter Kessler den Maler Lyonel Feininger vor.
Königstein. Der Künstler (1871–1956) gilt als eine der bedeutendsten Figuren der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts, dessen Leben und Werk eine faszinierende transatlantische Brücke zwischen den kulturellen Zentren Europas und Nordamerikas schlug. Als amerikanischer Künstler mit deutschen Wurzeln und später als deutscher Staatsbürger prägte Feininger maßgeblich die Entwicklung der expressionistischen und bauhausorientierten Kunstbewegungen.
Referent Peter Kessel lebt seit knapp zwei Jahren in der Kursana Villa Königstein. Der 84-Jährige war bis zur Pensionierung Ministerialbeamter im Hessischen Umweltministerium und ist ein Amerika-Kenner. Er hat intensiv die Familiengeschichte der Vorfahren seiner Frau Susan Fall Kessler erforscht und die Historie der Auswanderungen recherchiert. In seinem Vortrag über Lyonel Feininger lenkte er das Augenmerk auf die Verbindung des Künstlers zu Deutschland und Amerika und berichtete unter dem Titel „Ein Amerikaner in Deutschland, ein Deutscher in Amerika“ über den Maler.
Feininger ist in New York City in einer deutschstämmigen Familie geboren und wuchs in einer musikalisch geprägten Umgebung auf. Seine frühen künstlerischen Bestrebungen führten ihn nach Europa, wo er in Berlin und Paris studierte. Während seiner Zeit in Deutschland entwickelte er einen einzigartigen Stil, der Elemente des Kubismus, des Expressionismus und der Bauhaus-Ästhetik vereinte. Seine Arbeiten zeichnen sich durch klare Linien, geometrische Formen und eine fast architektonische Präzision aus, die seine Faszination für die Struktur und das Licht widerspiegeln.
Feiningers Engagement für die deutsche Kunstszene wurde durch seine Mitwirkung am Bauhaus in Dessau (1927–1931) deutlich, wo er als Lehrer tätig war. Hier trug er wesentlich zur Verbindung zwischen künstlerischer Innovation und handwerklicher Gestaltung bei. Seine Werke spiegeln eine Synthese aus europäischer Moderne und amerikanischer Erfahrung wider. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte Feininger 1937 in die Vereinigten Staaten, blieb aber mit Deutschland verbunden und pflegte den Austausch mit europäischen Künstlerkreisen. 1944 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger.
Peter Kessler erläuterte in seinem Vortrag das Leben und Werk Feiningers, der als eindrucksvolles Beispiel für die transkulturelle Identität eines Künstlers galt, da er zwischen zwei Welten pendelte. Das Publikum im Saal hatte großes Interesse daran, mehr über das Leben von Feininger zu hören und Peter Kesslers Worten zu folgen. Es kamen mehr Besucher als sonst in den Kultur-Treff und alle hörten gespannt zu.
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