Der Jubilar: In der Kursana Villa Hannover hat Hans-Joachim Vogler seinen 100. Geburtstag gefeiert.

 
03.11.2025

Jubilar ist geprägt von der Schule des Lebens

In der Kursana Villa Hannover hat Bewohner Hans-Joachim Vogler seinen 100. Geburtstag gefeiert. Der Oberstudienrat führt immer noch gerne lehrreiche Gespräche und ist geprägt von der Schule des Lebens.

Hannover. In seinem langen Leben hat Hans-Joachim Vogler weite Kreise gezogen und daraus buchstäblich viele Lehren gezogen. Er hat die Schrecken des Zweiten Weltkrieges miterlebt, aber auch später als Lehrer seine Berufung gefunden. Seit mehr als eineinhalb Jahren lebt der Oberstudienrat in der Kursana Villa Hannover. In der Senioreneinrichtung im Zooviertel hat er jetzt seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Anlässlich seines Jubiläums blickte Vogler auf ein erlebnisreiches Jahrhundert zurück. Wie es sich für einen Lehrer gehört, gab er auch ganz korrekt Auskunft und verwies auf seinen kompletten Namen: Hans-Joachim sei nur sein erster offizieller Rufname. Zum Gesamtpaket zähle aber auch noch der Vorname Julius. „Das war mein Großvater und Pate“ sagte Vogler. Ein weiterer Rufname: „Bruno - das war mein Onkel väterlicherseits“, so der Jubilar.

Der 100-Jährige bekommt in der Kursana Villa regelmäßig Besuch von seinen beiden Söhnen und hat auch ein Enkelkind. Seine Ehefrau ist vor 21 Jahren verstorben. „Er unterhält sich gerne über geschichtliche Themen und telefoniert immer wieder mit Bekannten aus aller Welt - auf Deutsch und auf Englisch“, berichtete die Kursana-Mitarbeiterin Anne Engeler, Leiterin der sozialen Betreuung.

In Vorpommern geboren

Geboren wurde der Jubilar in Vorpommern in Grimmeln und ging dort bis zu seinem elften Lebensjahr zur Schule. Im März 1943 sei er im Alter von 17 Jahren zum Militär eingezogen worden, erzählte der 100-Jährige. Nach der Einberufung zum Reichsarbeitsdienst in Bansin habe er die schlimmste Zeit erlebt und auch Teile seines linken Ringfingers verloren.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Vogler als Infanterist in Polen eingesetzt. Nach einer viermonatigen Ausbildung zum Reserveoffizier sei er 1944 an die Front in Lettland versetzt und dort von Granatsplittern am Kopf verletzt worden, erzählte der Jubilar. Zwar sei er deshalb ins Lazarett nach Insterburg gekommen. Anschließend ging es für ihn aber zurück an die Front: „Nach Ostpreußen in eine Artilleriestellung“, so Vogler. Wegen des Vormarsches der Alliierten landete er beim Rückzug in Danzig und dann mit einem Schiff über Bornholm in Kiel - ganz genau am 8. Mai 1945, dem Tag der Kapitulation der Wehrmacht.

Auch für Vogler war der Krieg beendet. Er kam in ein Internierungslager in Heiligenhafen. Sein Glück: „Weil ich eine Tante in Seesen hatte, konnte ich zu ihr in den britisch kontrollierten Bereich“, berichtete der 100-Jährige. Sein Pech: „Weil mein Abitur im Westen nicht anerkannt wurde, musste ich noch ein halbes Jahr zur Schule gehen und die Abiturprüfung nachholen.“

Anglistikstudium in Rostock

Das ebnete ihm den weiteren Weg: An mehreren Universitäten habe er sich zunächst vergeblich für ein Germanistikstudium beworben. „Die Studiengänge waren hoffnungslos überlaufen, es gab aber noch Plätze für Anglistik“, so Vogler. Das habe er dann drei Jahre lang Jahre in Rostock studiert und während seines Studiums auch eine Zeit lang in England verbracht, um die Sprache besser zu lernen.

„Ab 1951 hatte ich eine Anstellung als Englisch- und Geschichtslehrer in Strausberg, wo ich etwa anderthalb Jahre gearbeitet habe“, erzählte Vogler. Dann sei er mithilfe von Freunden von  Westberlin aus nach Hannover geflogen, wo seine damalige Freundin und spätere Frau Rosemarie gelebt habe. Im Februar 1953 läuteten die Hochzeitsglocken. Im selben Jahr habe er sein Examen gemacht und an einer Schule in Meppen an der Ems angefangen.

„Meine Frau fand diese Situation aber unerträglich, deshalb habe ich mich an eine Volksschule am Entenfangweg in Hannover versetzen lassen“, nannte der Jubilar seine nächste berufliche Station. Ab 1958  sei er dann an der Goetheschule tätig gewesen - zuletzt als Oberstudienrat.

Familie und Lehramt sind prägend

In seiner Rückschau hob Vogler seine wichtigsten Säulen hervor: Sein Leben sei ganz besonders von der Familie und seinem Lehramt geprägt worden. Seinen Beruf habe er mit großem Enthusiasmus verfolgt und auch Zeit seines Lebens den Kontakt mit vielen ehemaligen Schülern aufrecht erhalten.

In der Kursana Villa verbringt er heutzutage seine Zeit zwar oft eher zurückgezogen: „Er hat aber auch viele Gesprächspartner, mit denen er sich gerne unterhält“, berichtete die Kursana-Mitarbeiterin Anne Engeler. Was angesichts seines Alters absolut nachvollziehbar ist: Die Teilnahme an Aktivitäten werde ihm schnell zu anstrengend.

Zur Übersicht