Hanna Müller berichtet von ihrer Reise. Für die Seniorinnen und Senioren ist das ein Highlight.

 
26.06.2026

Mit dem Helikopter auf den Gletscher – und mit den Senioren um die Welt

Hanna Müller ist Ergotherapeutin im Kursana Domizil Lappersdorf. 2024 hat sie eine Weltreise gemacht. Davon berichtet sie jetzt den Seniorinnen und Senioren im Domizil.

Mit einem Helikopter auf einem Gletscher in Neuseeland landen, mit Seelöwen und Schildkröten auf Galapagos schwimmen, Muay Thai Boxen in Thailand versuchen oder zum Machu Picchu wandern: Geschichten wie diese erzählt Hanna Müller derzeit regelmäßig den Bewohnerinnen und Bewohnern des Kursana Domizils Lappersdorf.

Die 29-jährige Ergotherapeutin erfüllte sich 2024 einen lang gehegten Traum und brach zu einer 13-monatigen Weltreise auf. Insgesamt 13 Länder standen auf ihrer Route – von Thailand, Vietnam und Kambodscha über Japan und die Philippinen bis nach Peru, Ecuador und Brasilien reiste sie von Oktober 2024 bis November 2025. Ihren Arbeitsvertrag im Domizil pausierte Müller für ihre Weltreise.

Vortragsreihe im Domizil: "Es kamen ganz viele Fragen"

Heute lässt sie die Senioren des Kursana Domizils daran teilhaben – mit Fotos, Karten und Geschichten aus aller Welt. Denn alle zwei Wochen stellt sie den Bewohnenden im Restaurant des Hauses einzelne Länder vor, die sie besucht hat. Zu jedem Land zeigt sie Fotos, erklärt ihre Reiseroute und erzählt von Begegnungen, Landschaften und Erlebnissen, die ihr besonders in Erinnerung geblieben sind. 

Nach ihrer Rückkehr wurde Hanna Müller immer wieder auf ihre Weltreise angesprochen. Viele Bewohner, die sie bereits vor ihrer Auszeit kannten, wollten wissen, welche Länder sie besucht hatte und was sie dort erlebt hatte. “Es kamen ganz viele Fragen”, erzählt die Ergotherapeutin. So entstand die Idee einer Vortragsreihe, bei der sie ihre Reiseerlebnisse nun Schritt für Schritt mit den Senioren teilt.

"Wir machen das trotzdem – nur eben allein."

Dabei hätte die Reise beinahe gar nicht stattgefunden. Gemeinsam mit ihrem damaligen Partner hatte Hanna Müller die Weltreise ursprünglich geplant. Ein halbes Jahr vor dem Start trennte sich das Paar. Die Reise sagte sie trotzdem nicht ab. "Ich wollte eigentlich immer mal länger weg", sagt sie. “Also haben wir gesagt: Wir machen das trotzdem – nur eben allein.” Ein Schritt, der Mut erforderte. "Das war schon ein großer Unterschied", sagt sie rückblickend.

Doch die Unsicherheit wich schnell. Besonders die erste Station, Thailand, blieb ihr in Erinnerung. “Ich habe gedacht, ich komme dort an und denke mir: Was habe ich nur gemacht?”, erzählt sie. “Aber es war überraschend leicht.” Statt Überforderung erlebte sie vor allem Offenheit – und sich selbst in einer neuen Rolle. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich so gut allein zurechtkomme", sagt sie. "Und mir hat das Alleinsein überhaupt nichts ausgemacht."

Was Müller von der Reise für sich mitnimmt

Vieles plante die 29-Jährige bewusst nicht bis ins letzte Detail. "Ich habe eigentlich nur das erste Hostel gebucht", sagt Müller. Alles andere habe sich Schritt für Schritt ergeben. “Man lernt so viele Leute kennen, die einem Tipps geben oder mit denen man einfach weiterreist.” So auch in Thailand: Dort traf sie eine junge Frau in einer Unterkunft, der sie wenig später zufällig wieder begegnete. “Wir haben dann irgendwann gesagt: Wir reisen einfach zusammen weiter.” Aus wenigen Tagen wurden schließlich sechs Wochen im Camper durch Neuseeland. “Eigentlich waren nur vier geplant”, sagt sie und lacht. “Dann haben wir einfach verlängert.”

Besonders beeindruckt hat sie die Vielfalt der Kulturen und Lebensweisen. In Japan erlebte sie, wie unterschiedlich selbst Regionen innerhalb eines Landes sein können. Nachhaltig geprägt haben sie aber auch Begegnungen im Norden Vietnams. Dort sah sie Kinder, die arbeiten mussten, statt zur Schule zu gehen. Solche Erfahrungen haben ihren Blick auf den Alltag verändert. “Wir haben es hier wirklich gut”, lautet eine Erkenntnis, die sie von ihrer Reise mitgenommen hat.

Gleichzeitig hat sie gelernt, gelassener zu werden. Nicht alles müsse perfekt geplant sein, sagt sie. Oft funktioniere vieles auch dann, wenn man einfach darauf vertraut, dass sich der nächste Schritt ergibt. Das merkte sie etwa bei Reisen mit Bussen durch Südostasien. “Da stehst du einfach an der Straße und wartest”, sagt Müller. “Und irgendwann kommt der Bus, blinkt, hält kurz an und dann steigst du ein.” Mehr brauche es oft nicht. 

Warum Müller ihre Arbeit bei Kursana schätzt

Diese Haltung hilft ihr inzwischen auch im Berufsalltag. Seit 2016 arbeitet Müller im Haus. Ursprünglich hatte sie sich eine andere Richtung vorgestellt. “Ich dachte früher, das ist mir zu viel Nähe”, sagt sie. Doch ein zehnwöchiges Praktikum im Kursana Domizil im Rahmen ihrer Ausbildung zur Ergotherapeutin veränderte ihre Sicht. “Überraschenderweise hat mir die Arbeit total viel Spaß gemacht.” Heute schätzt sie genau diese Nähe zu den Bewohnern – und die Abwechslung im Alltag. “Ich kann meine Angebote sehr frei gestalten”, sagt sie. Das beste Beispiel dafür ist ihre Vortragsreihe.

Weitere Reisepläne: "Da ist noch einiges offen"

Bei den Bewohnenden des Domizils kommt sie sehr gut an. Bewohnerin Monika Zeller (85) ist bei jedem Vortrag dabei. “Sie macht das so schön. Auch die Auswahl der Länder finde ich toll. Und man kann so viel über die Länder lernen. Man muss sich das anhören, das ist Pflicht.” Und so wirken die Vorträge von Müller mehr wie Gespräche und ein Austausch über eigene Reiseerfahrungen der Bewohnenden. Die Vortragsreihe nähert sich noch längst nicht dem Ende, denn die Reiselust der 29-Jährigen ist noch lange nicht gestillt.

“Ich habe das Gefühl, je mehr man sieht, desto mehr will man sehen”, sagt Müller lachend. Der Süden Thailands, weitere Regionen der Philippinen und noch mehr von Südamerika stehen ganz oben auf ihrer Favoritenliste. “Da ist noch einiges offen.”

 

 

 

 

 

 

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