01.04.2025
Behütet in der Welt der Demenz
Der Ehemann von Christa Mueller hat neun Monate auf dem beschützten Wohnbereich für demenziell Erkrankte in der Villa Reinbek gelebt. Den Mitarbeitenden fühlt sie sich bis heute verbunden.
Beim „Tag der offenen Tür“ besucht Christa Mueller gern die Kursana Villa Reinbek, um Fachvorträge zu hören. Und manchmal schaut die 78-Jährige auch kurz auf dem Wohnbereich für demenziell erkrankte Senioren vorbei, um mit einer Mitarbeiterin einen Kaffee zu trinken. „Ich fühle mich den Pflegerinnen und Pflegern hier immer noch sehr verbunden“, sagt Christa Mueller. „Sie haben mich mit fachlicher Kompetenz und großer Herzlichkeit sanft durch die letzten Lebensmonate mit meinem Mann geführt und uns bis zum Schluss ein gutes Leben ermöglicht. Dafür bin ich den Menschen hier sehr dankbar.“
Drei Jahre vor seinem Tod 2023 bekam der Mann von Christa Mueller die Alzheimer-Diagnose. Als er zu Hause immer häufiger stürzte und sich sein Zustand verschlechterte, reichte die Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst nicht mehr. Er kam zur Kurzzeitpflege in die Villa, und auf Anraten der Ärzte und Pflegefachkräfte zog er schließlich in ein Appartement auf dem beschützten Wohnbereich ein. „Anfangs war es für mich eine große Belastung, dass mein Mann nicht mehr in unserem gemeinsamen Umfeld bleiben konnte“, erinnert sich Christa Mueller. „Aber ich war stabiler, weil ich meine Auszeiten hatte. Und so konnte ich mich immer besser auf die Welt der Demenz einlassen, wie sie hier zum Wohle der Betroffenen gelebt wird.“
Das Team der Villa wird regelmäßig von Demenzexpertin Sandra Eisenberg begleitet, um ein demenzfreundliches Miteinander im Haus zu schaffen. Die „Hausunordnung“ auf dem Demenzbereich sieht vor, dass das Wohlbefinden und die individuellen Bedürfnisse der Bewohner im Mittelpunkt stehen, solange sie weder sich noch andere gefährden. Christa Mueller erlebte nicht nur, dass Bewohner unterschiedliche Strümpfe trugen und Handtücher aus dem Bad verschwanden, weil eine Mitbewohnerin sie einsammelte. Als sie einmal ihren Mann vermisste, fand eine Mitarbeiterin ihn schlafend in einem anderen Zimmer. „In solchen Situationen haben die Pflegerinnen ganz entspannt und liebevoll reagiert. Mein Mann hat sich hier schnell wohl gefühlt, und ich habe verstanden, dass ich mich hundertprozentig auf die Fachkräfte verlassen kann.“
Die Routine der täglichen Besuche gab dem Paar Sicherheit: Immer nachmittags hörten beide zusammen klassische Musik, besuchten gelegentlich ein Beschäftigungsangebot und aßen abends zusammen in der Gemeinschaft. Ein Schlafsofa im Appartement machte möglich, dass Christa Mueller bei Bedarf bei ihrem Mann übernachten konnte. Durch die Unterstützung der Pflegekräfte wurde auch ein guter Abschied möglich.
„Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf unser Leben zurück. Das trägt mich durch die Trauer“, sagt Christa Mueller, die bereits verfügt hat, dass sie selbst im Falle einer demenziellen Erkrankung in der Villa Reinbek gepflegt werden möchte. Ihr liegt am Herzen, dass den Menschen in Pflegeberufen für ihre fachliche Leistung und ihre Zuwendung mehr Anerkennung entgegengebracht wird. „Wir sollten alle öfter einmal sagen: Danke für die Unterstützung und Begleitung. Wie schön, dass es Sie gibt.“
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