Bücher begleiten Günter Mellinghaus schon ein Leben lang.

 
28.10.2026

103 Jahre alt und die Neugier ist geblieben

Günter Mellinghaus ist im Oktober 103 Jahre alt geworden. In der Kursana Residenz Prien genießt er heute die Ruhe, seine Bücher und die Gesellschaft anderer Menschen.

Prien am Chiemsee. Die Bücher gehören für Günter Mellinghaus einfach dazu. Auch in seinem Zimmer in der Kursana Residenz Prien haben sie einen festen Platz. „Ja, die folgen mir immer“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Seine Begeisterung für Literatur hat er sich bis heute bewahrt. Und das in einem bemerkenswerten Alter: Im Oktober ist Günter Mellinghaus 103 Jahre alt geworden.

Geboren wurde er 1923 in Berlin. Sein Leben war geprägt von vielen Ereignissen und Veränderungen. Schon als junger Mann erlebte er den Zweiten Weltkrieg, der es auch mit sich brachte, dass er nicht immer einen festen Lebensmittelpunkt hatte.

Nach dem Krieg fand Günter Mellinghaus seine Bestimmung im Bildungswesen. Seine berufliche Laufbahn begann Günter Mellinghaus als Lehrer an einer Einklassenschule im Odenwald. Anschließend verbrachte er sieben Jahre in Genua, wo er am Wiederaufbau der Deutschen Schule nach dem Krieg mitwirkte. Später übernahm er die Leitung einer Schule am Bodensee, bevor er als Regierungsschuldirektor im Oberschulamt in Tübingen tätig war. Seiner Leidenschaft für die Lehre und die Vermittlung von Bildung blieb er dabei stets treu.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit fand er noch Zeit, selbst zu schreiben. So verfasste er unter anderem mehrere Lehrbücher und hielt zahlreiche Vorträge. Sein Interesse an Literatur und Geschichte hat er sich bis heute bewahrt: „Ich lese nicht nur kleine Geschichten, sondern tatsächlich auch Geschichte im Sinne des Wortes“, betont er.

Fünf Kinder und eine große Familie

103 Lebensjahre können natürlich nicht immer unbeschwert sein. Doch gerade in schwierigen Zeiten hat sich immer wieder gezeigt, dass die Familie zusammenhält. Günter Mellinghaus hatte mit seiner ersten Frau, mit der er 57 Jahre verheiratet war, fünf Kinder, drei Töchter und zwei Söhne. Die beiden Söhne sind leider schon verstorben. 

Doch aus den Familien der Kinder sind acht Enkel und zehn Urenkel hervorgegangen. Zu den Geburtstagen kommt die Familie, wenn irgendwie möglich, immer wieder zusammen. Mit 87 Jahren hat Günter Mellinghaus ein zweites Mal geheiratet: Eine Freundin, ebenfalls 87, aus Kriegszeiten. 10 Ehejahre waren den Beiden noch vergönnt.

Eine neue Weggefährtin in Prien gefunden

Und auch an seiner wohl letzten Station in der Kursana Residenz Prien blieb Mellinghaus nicht allein: Er lernte eine Mitbewohnerin kennen, die ihm besonders ans Herz gewachsen war. Sie wohnte direkt gegenüber und so lang es ihre Gesundheit zuließ, verbrachten die Beiden täglich viel Zeit miteinander, führten Gespräche und trafen sich für gemeinsame Unternehmungen.

Geplant war diese Begegnung nicht. „Ja, der berühmte Zufall“, sagt Mellinghaus über das Kennenlernen. Beide verbindet unter anderem ihre jeweils große Familie und die Erfahrung eines langen, ereignisreichen Lebens. So ist aus einer zufälligen Begegnung für ein paar schöne Monate eine enge persönliche Beziehung geworden.

Überhaupt fühlt sich der Senior in der Kursana Residenz Prien gut aufgehoben. Er schätzt vor allem die ruhige Atmosphäre und die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. „Es ist nicht dauernd etwas los. Man kann auch mal was lesen“, sagt er. Gleichzeitig genießt er die Kontakte im Haus und den regelmäßigen Besuch von Angehörigen und Freunden.

„Mein Leben ist lebendig geblieben“

Dass er einmal 103 Jahre alt werden würde, überrascht Günter Mellinghaus offenbar wenig. Auf die Frage, ob er damit gerechnet hat, antwortet er: „Eigentlich ja. Schon deshalb, weil ich eigentlich selten dran denke, dass es mal aufhört.“

Große Pläne für die kommenden Jahre hat er nicht mehr. Vielmehr genießt er seinen heutigen Alltag, die gelegentlichen Ausflüge und die vielen Begegnungen. Dass er eines Tages vor allem die Ruhe schätzen würde, hätte er früher selbst nicht gedacht.

Auf die Frage nach seiner heutigen Zufriedenheit findet er schließlich einen Satz, der sein Leben vielleicht besser zusammenfasst als jede Aufzählung von Erlebnissen: „Mein Leben ist lebendig geblieben.“

Zur Übersicht