Neuer Lebensmittelpunkt in Gütersloh: Im Kursana Domizil sind für die Bewohnerin Heidi Hirschmann (81) die Gespräche mit der Pflegedienstleitung Ayten Yasar eine wertschätzende Alltagsbereicherung.

 
25.09.2026

„Auch jüngere Menschen vergessen viele Dinge“

Demenzerkrankung im Anfangsstadium: Die 81-jährige Heidi Hirschmann ist vor fünf Monaten in das Kursana Domizil Gütersloh gezogen. Die Seniorin beschreibt als Betroffene ihren Alltag mit den Symptomen.

Gütersloh. Die 81-jährige Heidi Hirschmann ist sich ihrer neuen Situation durchaus bewusst: „Ich habe natürlich registriert, dass ich unter einer beginnenden Demenz leide“, sagt die studierte Realschulpädagogin. Ihre Symptome seien noch nicht besonders stark ausgeprägt. „Ich weiß noch ganz genau, wie ich heiße und wo ich bin“, versichert die pensionierte Deutsch- und Sportlehrerin.

Vor gut fünf Monaten hat Heidi Hirschmann ihr Reihenhaus im Ruhrgebiet als Lebensmittelpunkt aufgegeben und ist in das gut 80 Kilometer entfernte Kursana Domizil Gütersloh gezogen. In der Senioreneinrichtung am Tiefenweg lebt die 81-Jährige nun im Demenzbereich und profitiert von einem speziell ausgerichteten Pflege- und Betreuungskonzept.

Es war eine bewusst getroffene Entscheidung: „Sonst wäre ich nicht hier, denn im Ruhrgebiet gibt es auch viele Senioreneinrichtungen“, sagt Heidi Hirschmann. Sie fühle sich im Domizil sehr wohl, betont sie. Mit der Atmosphäre und dem Ablauf in der Einrichtung sei sie sehr zufrieden. Außerdem werde sie regelmäßig von ihrer Tochter besucht.

Nicht mehr so einsam

Dessen ungeachtet versichert die 81-jährige Frau aus dem Ruhrgebiet: Obwohl sie nach dem Tod ihres Ehemannes zuletzt allein in ihrem Reihenhaus gelebt habe, sei sie noch „gut klargekommen“. Aber: Abgesehen von ihren altersgemäßen Beeinträchtigungen sei es auch die Einsamkeit gewesen, weshalb sie sich für den Einzug in das Kursana Domizil Gütersloh entschieden habe. „Ich verbringe jetzt viel Zeit mit den Mitbewohnern und lese auch viel“, berichtet Heidi Hirschmann.

Die für den Demenzbereich zuständige Pflegedienstleitung (PDL) Ayten Yasar verweist auf eine gelungene Eingewöhnungsphase: „Frau Hirschmann nimmt an vielen Sport- und Betreuungsangeboten teil.“ Außerdem profitiere sie vom gesellschaftlichen Miteinander im Kursana Domizil.

Der weitgehend selbstbestimmten Teilhabe der 81-Jährigen liegt auch die zunächst weniger stark ausgeprägte Symptomatik im Anfangsstadium einer Demenz zugrunde. Laut Bundesgesundheitsministerium sind zunächst einmal häufig das Kurzzeitgedächtnis und die Merkfähigkeit gestört. Erst im weiteren Verlauf würden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses verschwinden, teilt das Ministerium auf seiner Internetseite mit. Die Folge: „Menschen mit Demenz verlieren so mehr und mehr die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten.“

Pensionierte Lehrerin hilft Mitbewohnern

Für die gut integrierte Bewohnerin Heidi Hirschmann ist ihr Beruf auch eine Art Berufung: „Als Lehrerin habe ich immer Kindern und Eltern geholfen - und ihnen als Ratgeberin zur Seite gestanden“, erzählt die 81-Jährige. Nun sei es die Mitbewohnerschaft, der sie ihre Hilfe anbiete.

Heidi Hirschmann verweist vor diesem Hintergrund auf ihre jahrzehntelange Berufserfahrung: „Ich merke, ob jemand wirklich Hilfe benötigt oder einfach nur zu faul ist.“ Ihre persönliche Haltung sei außerdem: „Helfen, ohne dabei aufdringlich zu werden.“ Das sei vor allem für neue Mitbewohner sehr förderlich: Es könne für viele Menschen eine große Herausforderung sein, sich „in einer neuen Umgebung noch nicht eingewöhnt“ zu haben.

Die pensionierte Lehrerin begegnet ihrer beginnenden Symptomatik sehr bewusst: „Auch jüngere Menschen vergessen viele Dinge“, verrät sie ihre augenblickliche Einstellung. Man dürfe auch stolz auf sich sein, wenn einem im Alltag noch sehr viel gelinge. Heidi Hirschmann möchte mit der Preisgabe ihrer derzeitigen Gedankenwelt auch Akzeptanz wecken. Einem Interview haben sie und ihre Tochter aus aktuellem Anlass zugestimmt: Hintergrund sind der Welt-Alzheimertag am 21. September 2026 und die bundesweite Aktionswoche der Demenz vom 21. bis zum 27. September 2026.

Vortrag im Kursana Domizil

Angesichts der alternden Gesellschaft sind zunehmende Akzeptanz und Aufklärung notwendig: Häufigste Demenzursache ist die Alzheimererkrankung. Wie die Deutsche Alzheimer Gesellschaft berichtet, sind zurzeit mehr als 1,8 Millionen Menschen demenziell erkrankt. Jährlich werden rund 400.000 Neuerkrankungen registriert.

Da der Anteil von Senioren mit Demenzdiagnose oder einer demenziellen Entwicklung in vielen Pflegeeinrichtungen inzwischen bei mehr als 70 Prozent liegt, sind Multiplikatoren gefragt, die ihr Fachwissen weitergeben: Im Kursana Domizil Gütersloh steht deshalb für Donnerstag, 24. September 2026, eine Informationsveranstaltung auf dem Programm. In der Senioreneinrichtung am Tiefenweg 2 beginnt um 16 Uhr ein Vortrag zum Thema „Demenz – (k)eine Frage des Alters“.

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