Fachwissen und Fürsorge im Demenzbereich: Wohnbereichsleiterin Melanie Michel (Mitte) mit den Pflegefachkräften Swetlana Maksimova (l.) und Kyrylo Kasianov (r.).
Aalen. Für Besucher ist der Demenzbereich im Kursana Domizil Aalen über eine Klingel zu erreichen, Pflegekräfte nutzen einen Zahlencode. Bewohnerinnen und Bewohner mit einer fortgeschrittenen Demenz können ihn nicht selbstständig verlassen. Auch nicht den dazugehörigen gesicherten Garten. „Eine Unterbringung ist meist erforderlich, um eine Selbstgefährdung zu vermeiden“, erklärt die Wohnbereichsleiterin und gerontopsychiatrische Fachkraft Melanie Michel. In diesem Fall sei ein richterlicher Beschluss notwendig.
Trotz der bestehenden Barrieren – sie sind so gestaltet, dass Menschen mit Demenz sie nicht als solche wahrnehmen – soll der Alltag so selbstbestimmt wie möglich verlaufen. Wer eine Mahlzeit statt am Tisch lieber im Gehen einnimmt, genießt Fingerfood wie belegte Brote, Kartoffeln, Gemüse oder Fleisch ohne Soße. Wer gerne Pyjama trägt, darf das auch am Nachmittag. „Wir schauen nicht darauf, was der Bewohner können muss, sondern darauf, was er zulässt und was ihm guttut“, erklärt Melanie Michel.
Auf eine andere Welt einlassen
Menschen mit Demenz nehmen ihre Umgebung anders wahr. Orientierung, Erinnerungen und auch das eigene Selbstbild können verloren gehen. Gleichzeitig bleiben Gefühle und Bedürfnisse wie das nach Liebe, Identität, Beschäftigung, Einbindung und Trost bestehen. Was nicht mehr ausgesprochen werden kann, zeigt sich oft in Unruhe, Nervosität oder Umherlaufen.
Für die fachlich geschulten Mitarbeitenden im Kursana Domizil Aalen bedeutet das: nicht korrigieren, sondern verstehen. „Die Welt des Menschen mit Demenz ist für ihn die richtige Welt“, sagt Melanie Michel. Wer sich darauf einlässt, kann Überforderung vermeiden und Vertrauen schaffen. Dabei gelte es, authentisch und wertschätzend zu sein – auf Augenhöhe, ohne kindliche Sprache. „Menschen mit Demenz merken sehr genau, ob sich jemand verstellt“, so die Expertin.
Brücken zu Erinnerungen
Musik, vertraute Berührungen oder sogenannte basale Stimulation können Brücken bauen. Das Rasieren mit einem Elektrorasierer oder eine Massage mit duftenden Ölen – all dies kann Körperwahrnehmung und Erinnerungen anregen. Manchmal genüge eine sanfte Berührung der Wange, so wie Mütter es tun, oder eine Umarmung, sagt die Wohnbereichsleiterin. Mit Empathie und Akzeptanz Menschen mit Demenz ein geborgenes Zuhause bieten, in dem sie ganz sie selbst sein dürfen – das ist für sie und ihr Team das Ziel.
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