Spielerisch wird das Gedächtnis angeregt und die Konzentration gestärkt.

 
21.09.2026

Digitaler Helfer im Alter und bei Demenz

Mit einem multimedialen, interaktiven „Care Table“ beschreitet das Kursana Domizil Eschenburg neue Wege in der Betreuung von Senioren. Die Wirkung überrascht – auch bei Menschen mit Demenz. Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Demenz. Unter dem Motto „Demenz - (k)eine Frage des Alters“ macht der diesjährige Weltalzheimertag und die Woche der Demenz auf ihre Situation aufmerksam.

Eschenburg. Konzentriert betrachtet Karl-Heinz Ernst (71) die Münzen auf dem Bildschirm des Care Tables. „Ich habe nämlich gehört, dass Sie gut rechnen können“, sagt Vanessa Krumme, Leiterin der Sozialen Betreuung. Nacheinander tippt der ehemalige Gastronom auf einzelne Geldstücke – und gibt so das fiktive Wechselgeld richtig heraus. 

Der Care Table ist ein speziell für die Arbeit mit Senioren entwickelter digitaler Aktivitätstisch. Dank Rollen ist er mobil, dazu höhenverstellbar. Er kann allein oder in der Gruppe genutzt werden. Zahlreiche Spiele und Angebote sind in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden vorinstalliert. So schafft er Herausforderungen und bietet auch Menschen, die zunehmend Fähigkeiten verlieren, Erfolgserlebnisse. 

Auf Geldklimpern folgt ein Fiepen, ein Scharren, ein Wiehern. Nun gilt es, Tiergeräusche und -bilder zuzuordnen. Karl-Heinz Ernst hört genau hin. Aus gespannter Konzentration wird wachsende Begeisterung. Die Mitarbeiterin ist beeindruckt: „Sie haben richtig gute Ohren.“

Erinnerungen und Lieblingsspiele

Viele der Angebote regen das Gedächtnis an, sie reichen von Quizzen über Märchen bis hin zu virtuellen Stadtbesichtigungen. In einer „Zeitreise“ begegnen die Bewohner historischen Bildern mit vertrauter Kleidung, alten Schulgebäuden und prägenden Ereignissen wie der Einschulung. „Da finden sich die Leute wieder“, sagt Vanessa Krumme. Berührungsängste mit dem Gerät, das aussieht wie ein riesengroßes Tablet, habe es erstaunlich wenige gegeben. 

Auch Bewohner mit Demenz reagierten überraschend interessiert, erzählt sie. Eine ansonsten schwer zu aktivierende Bewohnerin habe mit Freude Zutaten für eine Gurkensalat zusammengestellt. Eine andere hätte ihren immobilen Arm selbst geführt, um Frösche zu fangen. „Unser Lieblingsspiel“, lacht Vanessa Krumme. 

Entlastung für Mitarbeitende

„Otto“, wie sie den Care Table getauft haben, leitet auch Gymnastikstunden an, dient als Instrument oder spielt die Lieblingsmusik. Einen Andrea-Berg-Fan hat er nach einem Krankenhausaufenthalt mit einem Konzert aufgemuntert. Übers Internet kann das Gerät auf Mediatheken zugreifen, die Sportschau oder den Gottesdienst der Gemeinde zeigen. Auch Entspannung beherrscht er – etwa mit Unterwasserbildern und beruhigenden Tönen. 

Für das Team ist der Care Table auch eine Entlastung, denn er ermöglicht niedrigschwellige Angebote und bringt Abwechslung. „Aber das Zwischenmenschliche ist an unserer Arbeit das Wichtigste“, stellt Vanessa Krumme klar. Auch Einrichtungsleiter Alexander Sgodda sieht das Gerät nicht als Ersatz für Mitarbeitende. Sie müssten schließlich den Einsatz planen und begleiteten, dabei Interessen und Fähigkeiten der Bewohner einschätzen und Überforderung vermeiden. „Als Unterstützung wird das aber definitiv die Zukunft sein“, ist er überzeugt.

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