Veterinär, Vogelkenner und passionierter Naturfotograf: Der 85-jährige Dr. Bernhard Sacher wohnt seit gut vier Monaten mit seiner Ehefrau in der Kursana Villa Hannover.

 
05.11.2026

Ein Forschergeist kennt keinen Ruhestand

Der 85-jährige Tierarzt Dr. Bernhard Sacher ist in der Kursana Villa Hannover ein Bewohner mit ganz besonderem Fachwissen. Der Veterinär und Vogelkenner lebt zwar in einer Senioreneinrichtung, der ausgeprägte Forschergeist des passionierten Naturfotografen ist aber noch längst nicht im Ruhestand.

Hannover. In der Kursana Villa Hannover wohnt der 85-jährige Dr. Bernhard Sacher mit seiner Ehefrau erst seit gut vier Monaten. Das besondere Fachwissen des Tierarztes hat sich in der Senioreneinrichtung im Zooviertel aber bereits herumgesprochen. Der Veterinär und Vogelkenner ist zwar längst im beruflichen Ruhestand. Seinen ausgeprägten Forschergeist hat sich der passionierte Naturfotograf aber bewahrt.

Von seinem naturkundlichen Interesse könnte schon bald die gesamte Einrichtung profitieren. „Dr. Sacher war wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsanstalt für Landwirtschaft“, berichtet Kursana-Mitarbeiter Hannes Schwarz. Der stellvertretende Einrichtungsleiter hat von dem neuen Bewohner auch bereits erfahren: Seinen naturfotografischen Interessen werde er weiter nachgehen. „Weil mich ein Freund und Fotokollege im Rahmen seiner Möglichkeiten von der Kursana Villa abholt", erzählt der 85-jährige Veterinär.

Naturfotos als audiovisuelle Show

Für die Senioreneinrichtung unter der Leitung von Direktor Folkert Moormann-Krause gibt es einen Plan: „Das Verarbeiten seiner Fotografien zu audiovisuellen Shows“, beschreibt Kursana-Mitarbeiter Hannes Schwarz die Idee. Die Naturaufnahmen könnten demnach buchstäblich das Freizeitprogramm beflügeln. Denn: Der neue Bewohner beobachtet vor allem die Vogelwelt, aber nicht nur.

„Mich fasziniert an Vögeln besonders die Flugtechnik in Abhängigkeit des Flugapparates und die umfangreiche Brutpflege - inklusive Nestbau“, nennt Dr. Sacher einen Grund für sein ausgeprägtes Interesse. So hatte er in der Vergangenheit viel mit Greifvögeln zu tun und selbst Habichte „abgetragen“, wie es in der Falknersprache heißt. Er habe beispielsweise Schleiereulen beobachtet und auch schon eine aufgezogen, berichtet Bernhard Sacher. Der erste Vogel, den er aufgezogen habe, sei ein Wiesenpieper gewesen.

Seit 2018 hat sich Dr. Sacher mit einem Turmfalkenpärchen „angefreundet“: Der „Terzel“, das ist der männliche Taggreifvogel, kommt für eine kleine Belohnung, zum Beispiel Geflügelherz, auf die Faust von Bernhard Sacher. Er hat auf einer Pferdeweide auch eine Nisthilfe errichtet - einen rund zehn Meter hohen Holzmast mit einem für Falken geeigneten Brutkasten. Mittlerweile hat das Turmfalkenpärchen dort regelmäßige Bruterfolge.

Sachers Tipp für eine ergiebige Fototour: „Früh aufstehen - vor Sonnenaufgang - und dann Brut- und Überwinterungsplätze aufsuchen“, sagt der Naturfreund. Kraniche etwa würden in Teichen und kniehohem Wasser schlafen. Am frühen Morgen seien auch grundsätzlich die Stimmen der Vögel am besten zu hören. „Man muss sich mit Bedacht nähern, und auch viel Zeit mitbringen, um sich gegenseitig kennenzulernen“, verrät Sacher.

Schon viele Erkenntnisse gewonnen

Der Naturfotograf beschreibt auch, welche Erkenntnisse er durch die Bobachtung der Vogelwelt schon gewonnen hat: „Die Lebensweise, Fortpflanzung, Nahrungsaufnahme und Paarung sind Dinge, die erst auffallen, wenn man genau hinschaut.“ Nach längeren Beobachtungen sei es sogar möglich, die Persönlichkeit eines Vogels zu erkennen. „Beim Turmfalkenpärchen konnte ich schon im Anflug sagen, wer von den beiden es ist, weil sie ganz verschiedene Persönlichkeiten hatten“, erzählt Dr. Sacher. Das habe er aber erst sehen können, als er das Pärchen schon länger gekannt habe.

Sein Naturinteresse ist es auch, warum der promovierte Tierarzt Aktionen wie die Wahl zum „Vogel des Jahres“ für wichtig hält: „Weil es Interesse weckt und damit auch dem Schutz der Vögel und ihrer Lebensräume dient.“ Sein persönlicher Favorit: die Wasseramsel. Der Grund: „Sie zeigt ein besonders interessantes Verhalten“, sagt der routinierte Beobachter. Er beschreibt es auch genauer: „Diese Vögel sitzen auf einem Stein, der aus dem Wasser ragt, tauchen ins Wasser ein und kippen kleinere Steine um, um an Insektenlarven heranzukommen.“

Der neue Kursana-Bewohner hat Ratschläge, um die Zukunft der heimischen Vogelwelt zu unterstützen: „Man muss die Biotope erhalten und schützen.“ Nach seiner persönlichen Einschätzung sei die Vogelwelt ein besonderes Maß für die Gesundheit der Umwelt. Wenn die Bewohnerschaft seine erste audiovisuelle Foto-Show sieht, werden sich die Seniorinnen und Senioren von der Beobachtungsgabe und dem Forschergeist des Naturfreundes überzeugen können.

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