Nadine Graßnick, Mirjam Retzke und Daniela Mühlenberg gehen mit ihren Betriebszugehörigkeiten auf die 100 zu.
Berlin-Lichtenberg. Treue zum Unternehmen zahlt sich aus. Da sind sich Mirjam Retzke (56), Nadine Graßnick (47) und Daniela Mühlenberg (57) einig. Graßnick und Mühlenberg begingen gerade ihr 25- bzw. 35-jähriges Betriebsjubiläum in der Einrichtung. Retzke ist bereits seit 36 Jahren im Haus.
Zur Pflege gefunden hat jede von ihnen auf unterschiedlichem Weg. Retzke hatte an der Medizinischen Fachschule eine Ausbildung zur Krippenpädagogin abgeschlossen, musste als Absolventin „sozialistische Hilfe“ im damaligen Feierabendheim leisten und entdeckte dabei ihre Liebe zur Altenpflege. Im März 1990 begann sie ihre Tätigkeit in der Einrichtung.
Bei Graßnick war es ein Schülerpraktikum im Haus auf der Station, auf der Mühlenberg damals gearbeitet hat. „Wir hatten viel Freude“, erinnern sich Beide. Bei ihrer Entscheidung – die zweite Wahl wäre Physiotherapeutin gewesen – habe den Ausschlag gegeben, dass es ein Beruf mit Zukunft sein soll, in dem man gut verdient und etwas erreichen kann. Dass es dann zu Beginn der Zweitausender Jahre keine Jobs für Pflegefachkräfte in Berlin gab und sie zur Arbeit nach Bayern musste, ist heute kaum noch vorstellbar.
Mühlenberg wollte nach der Schule zur Kriminalpolizei. „Dann haben mir viele erzählt, dass ich als Frau anfangs sicher nur Kaffee kochen würde und nicht an die Basis käme“, erklärt sie ihre Entscheidung dagegen. Irgendwas mit Menschen, am liebsten mit Kindern, habe sie sich auch vorstellen können und erlernte den Beruf einer Kinderkrankenschwester an der Charité. „Hätte ich vorher gewusst, dass wir im ersten Jahr nur Putzarbeiten machen durften, hätte ich mich vielleicht anders entschieden“, erzählt Mühlenberg. 1990 wurde sie Mutter. Mit einem Kleinkind in der Neonatologie wieder einen Job zu bekommen, war nicht möglich. Ein Jahr arbeitet sie stattdessen in der Parodontologie. Das erfüllte sie nicht.
Dass alle drei Frauen heute noch im Kursana Domizil sind, hat sehr viel damit zu tun, dass das Unternehmen viel tut, um die Mitarbeitenden zuhalten. Sie bekommen Möglichkeiten, sich weiterzubilden und man überlegt gemeinsam, wie man neue Aufgaben finden kann, die den Interessen und Fähigkeiten entsprechen.
Retzke zum Beispiel hat nach einer Ausbildung zur Fachkraft eine Weiterbildung zur Wohnbereichsleitung absolviert. Acht Jahre lang hat sie einen Wohnbereich geleitet und auch Freude daran gehabt, Auszubildenden auf ihrem Weg zu begleiten. Ende 2022 hat sich für einen Wechsel in den Dauernachtdienst entschieden. „Ich habe jetzt mehr Verantwortung, gleichzeitig auch mehr Freiheit bei der Dienstplanung und mehr Kontakt zu meinen Kollegen auf allen Wohnbereichen“, erklärt sie die Veränderung.
Die Arbeit in der Pflege sei nicht immer leicht und auch sie habe schon überlegt, zu gehen. „Aber eigentlich sehe ich mich nicht woanders. Und wenn alle gehen, was wird dann?“ Sie wünsche sich mehr Durchhaltevermögen von den Kollegen.
Graßnick hat dieses Durchhaltevermögen aber auch die Chance erhalten, eine Aufgabe zu bekommen, die ihr Freude macht. Nach ihrem Start im Haus war sie sehr schnell stellvertretende und später Wohnbereichsleiterin geworden. Vierzehn Jahre lang war das ihre Profession. Parallel entwickelt sich bei ihr das Interesse an der Tätigkeit als Qualitätsbeauftragte. „Dokumentation ist mein Element und ich mag Controlling“, verrät sie. Mühlenberg erinnert sich, dass auch die Hausleitung Graßnick für diese Aufgabe im Visier hatte.
Sie habe Verständnis dafür, dass nicht alle Kollegen Hurra rufen, wenn sie mit ihren Listen käme. Aber es ginge ihr um die Sache und die Außenwirkung. „Ich will das gut machen“; bringt sie es auf den Punkt. Wo sie sich in fünf Jahren sieht. „Ich bin dann sicher noch hier. Ich will Kursana gar nicht verlassen. Die Strukturen sind gut.“
Wenn Mühlenberg sagt, sie sei hier irgendwie nicht weggekommen, dann könnte man meinen, sie sei aus reiner Bequemlichkeit noch immer in der Einrichtung. Doch das trifft es nicht. Natürlich sei es mit einem Kleinkind einfacher gewesen, mit dem Fahrrad einen kurzen Arbeitsweg zu haben. „Mein Plan war, wenn das Kind aus dem Gröbsten raus ist, gehe ich zurück in die Kinderpflege.“ Aber dann habe es ihr besser gefallen als gedacht. „In der Neonatologie habe ich Kindern ins Leben geholfen und nun Menschen an ihrem Lebensende begleitet.“ Außerdem habe es sie gereizt, in das aus ihrer Sicht veraltete und zurückgebliebene Haus Fortschrittliches aus der Charité einzubringen.
Auch sie konnte sich in der Einrichtung Stück für Stück entwickeln, leitete eine Station, dann drei Bereiche, bildete sich zur leitenden Fachkraft weiter. Die Verantwortung für den Umzug dreier Bereiche nach der Komplettsanierung im Jahr 2001 habe sie mit dem Haus stark verbunden. Sie habe sich „ein Stück weit hier eingemauert“, nennt sie das.
Sie war Qualitätsbeauftragte und auch Pflegedienstleiterin (PDL). Letzteres sei nie ihr Traumjob gewesen, obwohl sie gern Mitarbeiter anleitet und führt. Sie liebe Herausforderungen erzählt sie. Dennoch erinnert sie sich nicht gern an die Corona-Zeit. „Die Pandemie hat uns im Team zusammengeschweißt aber auch viel Kraft gekostet. Danach wusste ich, dass ich so nicht bis zur Rente weiterarbeiten kann.“
Auf eigene Kosten begann sie eine Ausbildung zur Entspannungspädagogik, ohne zu wissen, wie es danach weiter gehen könnte. Nur eines war sicher: „Ich bin nicht der Typ, der wegrennt. Ich bin zur Direktorin und habe ihr gesagt, ‚das kann ich jetzt und ich möchte das machen‘.“ Direktorin Luczak wollte ihre erfahrene und kompetente Mitarbeiterin nicht verlieren und hat mit der Kursana-Hauptverwaltung nach einer Lösung gesucht.
Das Ergebnis ist die neue Stelle Beauftragte „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ (BEM). Mühlenberg durfte sich einen Raum einrichten, gibt Kurse für die Mitarbeitenden, arbeitet mit den Krankenkassen zusammen, begleitet das BEM. „Ich fühle mich damit richtig wohl und bin aufgeblüht“, freut sie sich. Wenn sich daran nichts ändert, will sie bleiben.
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